Was ist Fließfertigung?

Eine Fließfertigung vor, wenn die Produkte eines Unternehmens ohne Unterbrechung dauerhaft produziert werden. Die grundlegenden Erscheinungsformen der Fließfertigung sind:

  • die Reihenfertigung,
  • die Fließbandfertigung, und
  • die Transferstraße.

Die nachfolgend vorgestellten Formen der Fertigungsverfahren orientieren sich an den technischen Erfordernissen des Bearbeitungsobjekts, also des Produkts. Bei einer produktkonzentrierten Systemgestaltung der Fertigung beinhaltet eine Organisationseinheit genau die Bearbeitungsprozesse, die zur Herstellung eines Produkts oder einer Produktfamilie benötigt werden.

Damit die Fertigung objektorientiert organisiert werden kann, müssen die Produkte in einer Teilefamilie zusammengefasst werden können. Für diese Teilefamilie muss sich ein Spektrum von Bearbeitungsprozessen klar abgrenzen lassen.

Fließfertigung BeispielBei der Fertigung eines einzigen Produkts in entsprechend großer Stückzahl ist diese Voraussetzung auf jeden Fall erfüllt. Die organisatorischen Gestaltungsprobleme werden komplexer, wenn Varianten eines Produkts (z. B. Ausstattungsvarianten in der Automobilfertigung) oder nur familienähnliche Produkte (z. B. Ringe, Drehteile, Verzahnungsteile, prismatische Teile) zusammengefasst werden.

Wie funktioniert Reihenfertigung?

Eine Fließfertigung ohne zeitliche Bindung an einen Fertigungstakt heißt Reihenfertigung. Die Bearbeitungsvorgänge an den einzelnen Stationen können also unterschiedlich lange dauern und die Bearbeitungsobjekte können sich auch gegenseitig überholen.

Bei der Reihenfertigung müssen deshalb zwischen den Bearbeitungsstationen hinreichend große Pufferlager vorhanden sein.

Beispiel:

In der Druckindustrie liegt die Reihenfertigung bei der Herstellung von Prospekten, Geschäftspapieren etc. in begrenzter Auflage vor. Diese Reihenfertigung können als Fertigungstyp der mehrstufigen Auftragsfertigung charakterisiert werden. Die Fertigungsstufen Druckformherstellung, Druck und Weiterverarbeitung (Schnitt, Bindung usw.) sind von den Aufträgen in der Regel in identischer Abfolge zu durchlaufen.

Das spiegelt sich meist auch in der räumlichen Anordnung der Betriebsmittel wider. Da die zu fertigenden Aufträge (Prospekte, Kalender, Werbeplakate usw.) in der Druckindustrie die Fertigungskapazitäten je nach Art und Auflage in unterschiedlichem Maße beanspruchen und auch einzelne Bearbeitungsstationen gänzlich übersprungen werden können (z. B. Lochung), ist ein fester Fertigungstakt nicht möglich.

Die den Materialfluss betreffende logistische Verkettung der Bearbeitungsstationen erfolgt mit geeigneten flexiblen Transportmitteln (z. B. Hubwagen oder Gabelstapler) auf Transportwegen, die neben den Bearbeitungsanlagen angeordnet sind.

Wie funktioniert Fließbandfertigung?

Wenn für die Fließfertigung ein fester Zeittakt vorgegeben wird, z. B. durch das Fließband oder die Transferstraße, wird das Bearbeitungsobjekt durch ein fest installiertes Transportsystem (Förderband, Rollengang, Rutsche usw.) von einer Fertigungsstation zur nächsten weitergegeben.

Der Weg des Materialflusses ist eindeutig festgelegt. Die einzelnen Schritte müssen in einer festgelegten Reihenfolge absolviert werden.

Beispiel:

  • Fertigung eines Automobils: Im ersten Schritt wird die Karosserie hergestellt, im zweiten der Motor eingebaut, im dritten die Innenausstattung eingebaut, im vierten die Reifen montiert und im fünften die Scheiben in das Auto eingesetzt.

Wie funktioniert eine Transferstraße?

Eine Transferstraße zeichnet sich im Vergleich zur Fließbandfertigung dadurch aus, dass nicht nur das Transportsystem, sondern auch die Bearbeitungsstationen weitgehend automatisiert sind.

Die geringe Flexibilität und starre Automatisierung, die früher mit dem Fließband und der Transferstraße einhergingen, sind heute nicht mehr vorherrschend. Beispiele für moderne flexibel automatisierte getaktete Mehrprodukt-Fließfertigungen finden sich etwa in der Automobilindustrie, wo unterschiedliche Modellvarianten eines Fahrzeugtyps und sogar unterschiedliche Fahrzeugmodelle auf derselben Transferstraße montiert werden.

Beispiele:

  • Anlage (Rotationsmaschine) zur Herstellung von Massendrucksachen (Zeitungsdruck),
  • Anlagen zur Papierherstellung

Das Wichtigste zur Fließfertigung in Kürze

Bei einer produktzentrierten Systemgestaltung der Fertigung beinhaltet eine Organisationseinheit genau die Bearbeitungsprozesse, die zur Herstellung eines Produkts oder einer Produktfamilie benötigt werden.

Dazu müssen die Produkte in einer Teilefamilie zusammengefasst werden können, für die sich ein Spektrum von Bearbeitungsprozessen klar abgrenzen lässt.

Wenn die Produkte eines Unternehmens ohne Unterbrechung in einem dauerhaften Prozess angefertigt werden, liegt eine Fließfertigung vor. Die grundlegenden Erscheinungsformen der Fließfertigung sind die Reihenfertigung, die Fließbandfertigung und die Transferstraße.

Aufgaben

  1. Was unterscheidet die Reihenfertigung von der Fließbandfertigung und was ist beiden Organisationsformen gemeinsam?
  2. Was ist der Unterschied zwischen einer Fließbandfertigung und einer Transferstraße?
  1. Beides sind Formen der Fließfertigung, sie sind also durch Anordnung der Betriebsmittel nach Maßgabe der Verrichtungsfolge gekennzeichnet. Die Fließbandfertigung arbeitet mit einer sogenannten Innenverkettung, d. h. die Bearbeitungsstationen sind durch eine feste Transportvorrichtung (Fließband, Schiebeband, Rollengang etc.) verbunden. Der Weitertransport von einer Station zur nächsten erfolgt in einer festgelegten Zykluszeit. Bei der Reihenfertigung fehlt das Merkmal der Innenverkettung, stattdessen sprechen wir von Außenverkettung. Eine Taktung ist gleichfalls nicht gegeben. Der Transport erfolgt über betriebliche Wege außerhalb der Fertigungsanlagen mit geeigneten betrieblichen Transportmitteln (z. B. Gabelstapler, fahrerloses Transportsystem, Handwagen etc.) Gleichwohl sind die Betriebsmitteln der benötigten Verrichtungsfolge angeordnet. Es liegt somit ein gerichteter Materialfluss vor. Die Reihenfertigung ist eine lose Form der Fließfertigung.
  2. Eine Transferstraße ist im Gegensatz zum Fließband durch einen hohen Automatisierungsgrad und entsprechende Flexibilität gekennzeichnet; gleichwohl gelten auch hier die Prinzipien der Taktung und der Innenverkettung. Transferstraßen finden sich beispielsweise in der Automobilindustrie bei der massenhaften Fertigung variantenreicher Serienprodukte.

Literaturhinweise

  1. Steinbuch, Pitter (1999): Fertigungswirtschaft, 1. Aufl., Ludwigshafen

Übungsfragen

#1. Was ist keine Erscheinungsform der Fließfertigung?

#2. Welche Aussage ist falsch?

#3. Wodurch unterscheiden sich Fließbandfertigung und Reihenfertigung?

#4. Welchen Vorteil hat die Fließfertigung gegenüber der Werkstattfertigung?

#5. In welchem Bereich kommt die Fließfertigung eher nicht zum Einsatz?

Fertig