Was ist ein Wirtschaftskreislauf?

Dem Begriff Wirtschaftskreislauf liegt das Gedankenbild des Blutkreislaufs zugrunde, der den Körper durchströmt, vom Herzen zu den Organen und wieder zurück. Genauso wie beim Blutkreislauf das einzelne verbundene Organ Stoffe an den Kreislauf abgibt und gleichzeitig andere von ihm übernimmt, bringt der an den Wirtschaftskreislauf angeschlossene Wirtschaftsgüter in ihn ein und empfängt andere.

Weniger bildlich gesprochen umfasst der Wirtschaftskreislauf alle volkswirtschaftlichen Transaktionen, bei denen Wirtschaftsobjekte (Güter und Forderungen) mit oder ohne Gegenleistung von einem Wirtschaftssubjekt (Unternehmen, private und öffentliche Haushalte) auf ein anderes übertragen werden.

Ursache für die Entstehung eines Wirtschaftskreislaufs ist die Arbeitsteilung. Differenzierte Arbeitsprozesse und vermehrte Spezialisierung hat eine Abhängigkeit von den Produkten und Leistungen zur Folge. Die Güter gelangen im Wirtschaftskreislauf zu der Stelle, an der sie benötigt werden.

Es lässt sich zwischen dem einfachen Wirtschaftskreislauf und dem erweiterten Wirtschaftskreislauf differenzieren.

Welche Elemente gehen in den Wirtschaftskreislauf ein?

In den Wirtschaftskreislauf gehen Wirtschaftsgüter aller Art ein, Konsumgüter und Investitionsgüter, Dienstleistungen und sonstige Leistungen. Sie alle kommen auf den Markt, werden dort aufgenommen und dahin gebracht, wo sie benötigt werden. Bei dieser Betrachtung bestünde also der Wirtschaftskreislauf aus Güterströmen.

EInfacher WirtschaftskreislaufIn der Realität gelangt Geld in die Tauschvorgänge. Dadurch entsteht ein Kaufvorgang, bei dem Güter gegen Geld umgetauscht werden. Beim Wirtschaftskreislauf wird die Funktion des Blutes durch das Geld wahrgenommen, durch dessen Einsatz die Stoffe, nämlich die Wirtschaftsgüter, innerhalb der Volkswirtschaft dahin kommen, wo sie gewünscht werden.

Wie funktioniert der Güterkreislauf zwischen den Marktparteien Haushalt und Unternehmen?

Wenn der Haushalt einerseits Konsumstelle und andererseits Lieferant von Produktionsfaktoren, insbesondere Arbeit, ist und das Unternehmen Anbieter von Konsumware und Abnehmer von Produktionsgütern, so treten grob vereinfacht zwei gegensätzliche Ströme auf:

  • Ein Güterstrom, nämlich Produktionsgüter vom Haushalt zur Unternehmung und Konsumgüter von der Unternehmung zum Haushalt, und
  • ein Geldgegenstrom in Form von Lohnzahlungen u. ä. vom Unternehmen an den Haushalt und von Kaufpreisen vom Haushalt zum Unternehmen.

Was geschieht, wenn nicht alle verfügbaren Geldmittel wieder in den Güterkreislauf eingebracht werden?

Wenn verfügbares Geld nicht wieder für Güterkäufe im weiteren Sinne verwendet, sondern beispielsweise gespart wird, entsteht falls es nicht ganz aus dem Wirtschaftsverkehr gezogen, sondern zur Bank gegeben wird ein zusätzlicher Kreislauf, nämlich ein rein geldwirtschaftlicher.

Doch besteht dieser geldwirtschaftliche Kreislauf nicht losgelöst von dem Güterkreislauf. Denn das bei der Bank eingehende Spargeld wird weitergegeben als Investitions- und auch als Konsumtionskredit, so dass es auf dem Umweg über die Bank doch wieder in den allgemeinen Wirtschaftskreislauf einfließt.

Welcher Nutzen kann aus der Kenntnis des Wirtschaftskreislaufs gezogen werden?

Um einen gesamtwirtschaftlichen Überblick zu erhalten kann versucht werden, die einzelnen Ströme zu erkennen und ihre Größe festzustellen, um dann beispielsweise Anreize für bestimmtes wirtschaftliches Verhalten zu geben und so eine gewünschte Wirtschaftsentwicklung herbeizuführen.

Beispiele

Beispiel 1:

Da der Sparstrom sehr hoch ist und die Investitions- und Konsumbereitschaft gering, entsteht bei den Banken ein Geldüberhang. Werden vom Ausland nicht zusätzliche Investitions- und Konsumgüter gekauft, ist eine Rezession  denkbar. Dadurch wird ein Ausgleich für die zurückhaltende Inlandsnachfrage bewirkt.

Durch Normalisierung des geldwirtschaftlichen Kreislaufs sollen wieder etwa gleichgroße Gegenströmungen erreicht und damit auch der allgemeine Wirtschaftskreislauf zum Ausgleich gebracht werden. Dies kann beispielsweise versucht werden durch Senkung der Soll- und der Haben-Zinsen, wodurch einerseits der Anreiz zum Sparen geringer und andererseits die Bereitschaft zum Investieren und Konsumieren mittels Kreditaufnahme größer werden soll.

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