Worin bestehen politische Herausforderungen für das strategische Management auf einem Auslandsmarkt ?

Der Erfolg internationaler Unternehmen auf einem Auslandsmarkt hängt in starkem Maße davon ab, wie sie negativen Beeinflussungs- und Widerspruchspotentialen politischer Ereignisse und Maßnahmen begegnen oder sogar positive Unterstützungs- und Zustimmungspotentiale nutzen. Die politischen Einflüsse können dabei dem Heimatland, den bearbeiteten Auslandsmärkten oder Drittländern entstammen. Die verschiedenen politischen Herausforderungen kann man jeweils nach zwei Kriterien sortieren:

  • Sind sie bekannt, oder ist ihr Eintritt unsicher?
  • Wirken sie diskriminierend oder nicht?

Wie können unternehmensrelevante, politische Maßnahmen und Ereignisse auf dem Auslandsmarkt klassifiziert werden?

Aus der Kombination dieser beiden Kriterien ergeben sich vier Kategorien politischer Einflüsse, denen ein international tätiges Unternehmen jeweils mit angepassten Maßnahmen strategisch begegnen muss.

Kategorie I: Unsicherheit, ob Ereignis eintritt (politisches Länderrisiko)/mit Voreingenommenheit

  • Enteignung ausländischer Unternehmen
  • Durchsetzung von Selbstbeschränkungsabkommen (bezüglich Exportmengen)
  • Importpreiskontrollen
  • totales Importverbot

Kategorie II: Unsicherheit, ob Ereignis eintritt (politisches Länderrisiko)/ohne Voreingenommenheit

  • Nationalisierung (Verstaatlichung von Schlüsselindustriezweigen)
  • Verbot bestimmter Produkte

Kategorie III: Bekannte Tatsachen/mit Diskriminierung

  • Gewinnverwendungsvorschriften (Gewinnanlagen im Ausland)
  • Local-Content-Vorschriften (Deckung eines Anteils des Produktionsvolumens im Ausland)
  • Mehrheitsvorschriften bei Kapitalbeteiligungen (Aufstufung des ausländischen Anteils auf mindestens 51% binnen vorgegebener Frist)
  • Einschränkung der Patentfähigkeit, Kürzung von Schutzfristen und Zwangslizenzen

Kategorie IV: Bekannte Tatsachen/ohne Diskriminierung

für alle Unternehmen gleichermaßen geltende gesetzliche Regelungen

  • Mitbestimmungsgesetz
  • Betriebsverfassungsgesetz

Welche ursachen- und wirkungsbezogenen Strategien gibt es?

Ein Unternehmen muss solch vielfältigen Herausforderungen mit entsprechenden Strategien begegnen, und zwar mit ursachen– und/oder wirkungsbezogenen Strategien:

Ursachenbezogene Strategien

  • Risikomeidung
  • Informationsgewinnung
  • Steigerung der Verhandlungsmacht
  • Anpassung
  • Rückzug

Wirkungsbezogene Strategien

  • Erhöhung der Handlungsflexibilität
  • Verringerung der Risikowirkungen (Risikostreuung, -begrenzung, -übertragung)
  • Umgehung der Maßnahmen
  • Verzögerungsstrategie

Politisch-gesellschaftliche Herausforderungen werden wahrscheinlich in der Zukunft zunehmen. Deshalb sollten Unternehmen diese Herausforderungen gut analysieren und ein gezieltes Handlungskonzept entwerfen.

Das Wichtigste zum Auslandsmarkt in Kürze

Gerade auf einem Auslandsmarkt sind politische Maßnahmen häufig, die die internationalen Unternehmen in vielfältiger Weise betreffen können. Ein international tätiges Unternehmen muss diesen politischen Herausforderungen strategisch begegnen. Die Wahl der strategischen (Gegen-)Maßnahme hängt davon ab, ob die politischen Herausforderungen absehbar sind oder nicht und ob sie diskriminierend wirken oder nicht. Ein Unternehmen kann politischen Maßnahmen begegnen mit ursachenbezogenen Strategien (z. B. Risikomeidung, Anpassung) oder wirkungsbezogenen Strategien (z .B. Risikostreuung, Verzögerung).