Was ist die Persönlichkeitsstruktur des Menschen?

Die Persönlichkeitsstruktur beschreibt das zu jedem Entwicklungszeitpunkt einer Person einzigartige Gesamtsystem, welches aus grundlegenden physischen und psychischen Merkmalen, charakteristischen Anpassungsweisen in der Auseinandersetzung mit personeninternen und personenexternen Gegebenheiten sowie des Selbst- und Welterlebens besteht. Die Begriffe Persönlichkeitsstruktur und Persönlichkeit werden in der Regel synonym verwendet.

Die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen wird durch seine Interessen und Abneigungen, Erfahrungen, Wünsche und Pläne bestimmt. Die persönlichen Ziele sind Bestandteile des Selbstkonzepts. Die Ideen über das Selbst selbst sind im Gedächtnis gespeichert.

PersönlichkeitsstrukturDie Persönlichkeitsstruktur des Menschen ist ein Schema im Gehirn. Wie viele assoziative Netzwerke ist es strukturiert. Im Gehirn ist ein Unternetzwerk zu finden, in dem wir eine Rolle  – beispielsweise als Sohn oder Tochter – abgespeichert haben – mit allen Eigenschaften und Reaktionen, die dazugehören. In einem anderen Netzwerk – beispielsweise Leiterin der Personalabteilung – sind andere Assoziationen gespeichert – etwa Durchsetzungsvermögen oder Sachlichkeit.

Da ein Mensch verschiedene Rollen im Leben hat, können Menschen auch sich widersprechende Eigenschaften besitzen. Einige Menschen sind beispielsweise streng zu ihren Mitarbeitern, aber lassen bei ihren Kindern vieles durchgehen. Die Persönlichkeitsstruktur ist somit in gewisser Weise fluide und verändert sich mit der gesellschaftlichen Rolle, die ein Mensch gerade einnimmt.

Wie kann die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen ermittelt werden?

Um die Persönlichkeitsstruktur von Menschen zu ermitteln und damit ihr Verhalten über verschiedene Situationen hinweg vorhersagen zu können, haben sich in der Psychologie Fragebögen durchgesetzt, die fünf wichtige Dimensionen berücksichtigen, welche auch Big Five genannt werden.

Die fünf Dimensionen umfassen Eigenschaften und Attribute, die das Verhalten von Menschen in vielen Situationen beeinflussen. Mit der Einteilung in fünf Dimensionen ist nicht jeder Persönlichkeitspsychologe einverstanden, aber sie ist zumindest Ausgangspunkt für viele Diskussionen.

So gibt es beispielsweise als erweitertes Modell in der modernen Psychologie das sogenannte HEXACO-Modell, welches sechs Dimensionen beinhaltet. Die fünf Dimensionen des Big Five Modells sind Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, emotionale Stabilität oder Neurotizismus und Offenheit für Erfahrungen.

  • Ein hohes Maß an Extraversion bedeutet, dass jemand gesprächig, energiegeladen, bestimmt und entscheidungsfreudig ist sowie Interesse an engen Bindungen hat. Wer ein niedriges Maß an Extraversion hat, ist dagegen eher ruhig, reserviert, schüchtern, zögernd, zurückgezogen und reflexiv.
  • Unter Verträglichkeit versteht man, dass jemand verlässlich, freundlich, mitfühlend, bescheiden, sanftmütig und altruistisch ist. Wenig verträgliche Menschen sind dagegen kalt, streitsüchtig, unbarmherzig, unkooperativ, misstrauisch und zynisch.
  • Gewissenhaftigkeit bedeutet, dass eine Person gut vorbereitet, verantwortungsbewusst, vorsichtig, diszipliniert und kompetent ist. Das Gegenteil wäre, sorglos, verantwortungslos, leichtfertig und planlos durchs Leben zu gehen.
  • Als emotional stabil bezeichnet man Menschen, die ruhig, zufrieden, selbstsicher und unbefangen sind sowie einen entspannten Zugang zu Herausforderungen haben. Zum Neurotizismus neigen hingegen Personen, die besorgt, labil, launenhaft, ängstlich, depressiv und verletzlich sind.
  • Unter Offenheit für Erfahrungen versteht man, dass jemand kreativ, intellektuell und offen ist sowie strenge Regeln und Autoritäten ablehnt – und nicht einfach, oberflächlich, unintelligent und bodenständig ist.

Entsprechende Fragebögen ermitteln eine Kombination dieser Eigenschaften, um vorhersagen zu können, wie sich ein Mensch in einer bestimmten Situation verhält. Die fünf Haupteigenschaften entstehen meist durch eine Mischung aus vererbten Anlagen und Sozialisation. Andere Umgebungen können Menschen jedoch auch im höheren Lebensalter noch stark verändern.

Was ist ein Selbstkonzept?

Die Idee, dass Menschen ein stabiles Selbst haben, ist eine Erfindung des Menschen – deshalb wird das Selbst in der Psychologie auch als Selbstkonzept bezeichnet. Dieses beinhaltet, wie jemand sich selbst einschätzt und sich fühlt. Dies ist eng verbunden mit dem Selbstwertgefühl. Grundsätzlich denken Menschen positiv über sich selbst und entwerfen ein positives Selbstbild. So halten sich beispielsweise fast alle Männer für überdurchschnittlich gute Autofahrer. Jedes Selbst ist jedoch tatsächlich ein relatives Selbst. Menschen sind veränderbar und können unterschiedliche und gegensätzliche Rollen einnehmen. Dies ist sogar notwendig, weil gesellschaftliche Rollen und wechselnde soziale Situationen es so erfordern.

Generell streben Menschen nach einem positiven Selbstbild, und die Psyche des Menschen tut alles, damit er sich gut fühlt. Insbesondere wenn es einem Menschen schlecht geht, vergleicht er sich lieber mit Personen, die weniger erreicht haben als er selbst. Er nimmt soziale Vergleiche demnach vor, um sich selbst besser zu fühlen. Dies geschieht häufig unbewusst – wie ein Autopilot steuert die Psyche des Menschen die Bewertung an, welche den Selbstwert maximiert.

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