Was ist eine Unternehmensverfassung?

Die Unternehmensverfassung (auch Statut, Geschäftsordnung oder Unternehmensreglement) bildet den juristischen Rahmen und die Grundsatzentscheidung über die Verflochtenheit der Organe des Unternehmens. Quasi als Grundgesetz des Unternehmens definiert sie Gestaltungsräume und -grenzen. Sie reguliert die Macht im Unternehmen und ist Kontrollinstrument. Im Einzelnen regelt eine Unternehmensverfassung:

  • die Frage des Unternehmensbestandes (Gründung und Auflösung);
  • die Frage der Begründung der Zugehörigkeit von Mitgliedern, z. B. Zugehörigkeit durch Kapitalbesitz, Arbeitsvertrag, Kooperationsvertrag;
  • die Grundrechte aller Beteiligten und Betroffenen, z. B. Informationsrechte;
  • die Frage der Kompetenz gegenüber den Mitgliedern sowie der Allgemeinheit (Rechenschaftslegung, Publizität, Haftung).

Was kennzeichnet eine Unternehmensverfassung auf Konzernebene?

Unternehmensverfassung DefinitionBei der Konzernebene (Holding) geht es nicht um die Kompetenzen und Aufgaben der Organe innerhalb eines Unternehmens, sondern um das Zusammenspiel zwischen über- und untergeordneten Gesellschaften, die zusammen einen Konzern mit einheitlicher Leitung bilden. Ein Konzern besteht aus mehreren rechtlich selbstständigen Unternehmen in denen eine beherrschende Muttergesellschaft an der Spitze der Konzernhierarchie (Holding-Gesellschaft) den beherrschenden Tochterunternehmen einen unterschiedlich großen Entscheidungsspielraum belässt.

Holdings sind moderne, flexible Strukturen, in denen die rechtlich beherrschten Tochterunternehmen in unterschiedlichem Maße wirtschaftlich autonom und dezentral (also unabhängig von der zentralen Holdinggesellschaft) entscheiden können.

Welche Formen von Holding-Strukturen gibt es?

Man unterscheidet drei Formen von Holding-Strukturen, die im Grad der Dezentralisierung variieren:

  • Bei der Finanz-Holding handelt es sich um eine Holding, die Beteiligungen an den untergeordneten Unternehmen hält und verwaltet. Managementfunktionen werden aber nicht ausübt. Hier liegt eine fast vollständige Dezentralisierung vor: Fast alle Entscheidungen, die ein untergeordnetes Unternehmen betreffen, werden von diesem getroffen.
  • Die Strategie-Holding (strategische Management-Holding) begrenzt die Dezentralisierung. Dadurch gehen die Befugnisse der Holding-Gesellschaft sehr viel weiter als bei der Finanz-Holding. In einer strategischen Management-Holding assistiert die Holding-Gesellschaft bei unternehmensstrategischen Entscheidungen der Tochtergesellschaften. Eine Einmischung in das operative Geschäft erfolgt aber nicht.
  • Die Strategie-/Operationen-Holding (operative Management-Holding) schaltet sich sogar in das operative Geschäft der Tochtergesellschaften ein, entscheidet also beispielsweise über die Annahme alltäglicher Aufträge. Hier liegt nur noch eine minimale Dezentralisierung der Entscheidungsbefugnisse vor.

Welche Aufgaben und Kompetenzen der Holding-Gesellschaft gibt es in einer Strategie-Holding?

  • Formulierung der Gruppenstrategie und -ziele, mit Ergebnisverantwortung.
  • Festlegung der Bereichsstrategien und -ziele,
  • Beschaffung und Verteilung finanzieller Mittel,
  • Berufung und Abberufung der wichtigsten Führungskräfte,
  • Förderung der Nachwuchsführungskräfte,
  • zentrale Konzernfunktionen, wie Finanzen, Personalentwicklung, Recht oder interne Dienste,
  • Konzernstäbe, wie Unternehmensplanung oder Public Relations (PR).

Welche Aufgaben und Kompetenzen der Leitung der Tochtergesellschaften lassen sich in einer Strategie-Holding unterscheiden?

  • Erarbeitung der Bereichsstrategie und -ziele,
  • Erarbeitung und Überwachung der operativen Pläne und Budgets,
  • operative Geschäftsführung mit Ergebnisverantwortung.

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