Äquivalenzziffernkalkulation — Allgemein 

Die Äquivalenzziffernkalkulation ist eine von vier gängigen Kalkulationsmethoden aus der Kostenträgerrechnung. Die anderen Methoden sind die Divisionskalkulation, die Verrechnungssatzkalkulation und die Zuschlagskalkulation. Die Äquivalenzziffernkalkulation ist in gewisser Weise eine Weiterentwicklung der Divisionskalkulation. Sie wird angewandt, wenn die hergestellten Produkte ähnliche Eigenschaften aufweisen und deren Kostenstruktur durch ein einfaches Verhältnis ausgedrückt werden kann.


Die Äquivalenzziffernkalkulation findet also vor allem Anwendung bei der Sortenfertigung — beispielsweise bei Schrauben mit unterschiedlichen Umfängen, Holzbrettern unterschiedlicher Länge, Seilen unterschiedlicher Dicke, etc.

Kalkulation mithilfe der Äquivalenzziffernkalkulation

Um die anteilige Kostenverursachung korrekt zu erfassen, werden den verschiedenen Leistungseinheiten Verhältniszahlen bzw. Äquivalenzziffern zugeordnet. So sollen die Produkte vergleichbar gemacht werden. Die Äquivalenzziffern werden aus der Haupteigenschaft (z.B Umfang, Größe, Gewicht, Dicke, usw.) des Produktes ermittelt. Beispiele hierfür sind der Fleischanteil bei Burgern, das Volumen bei Plastikflaschen oder die Dicke eines Drahtes.

Äquivalenzziffernkalkulation FormelHaben wir unsere Eigenschaft gefunden, müssen wir als nächstes die Basiseinheit (Äquivalenzziffer = 1) festlegen. Alle anderen Produkte werden anhand dieser Basiseinheit bewertet. So ermitteln wir, wie viel der Basiseinheit wir statt der anderen Sorte hätten herstellen können. Mithilfe der Äquivalenzziffernkalkulation werden die hergestellten Mengen jedes Produktes auf die Basiseinheit umgerechnet, indem wir die Produktionsmenge mit der jeweiligen Äquivalenzziffer multiplizieren.


Im letzten Schritt teilen wir die anfallenden Gesamtkosten durch die Summe der Basiseinheit, um die Selbstkosten pro Mengeneinheit der Basissorte zu erhalten. Multiplizieren wir nun die Selbstkosten pro Mengeneinheit der Basissorte mit der jeweiligen Äquivalenzziffer, erhalten wir die Selbstkosten pro Mengeneinheit der jeweiligen Sorte. Die Selbstkosten pro Mengeneinheit der Sorte multipliziert mit der produzierten Menge ergeben die Selbstkosten pro Sorte. Damit haben wir unser Ziel die Kosten ordnungsgemäß zu verteilen erreicht.

Da es sehr schwierig ist anhand eines Textes die Äquivalenzziffernkalkulation einfach zu erklären, empfehlen wir unbedingt die folgenden Beispiele weiter unten anzuschauen.

Kritische Beurteilung der Äquivalenzziffernkalkulation 

Die Äquivalenzziffernkalkulation ist ein einfaches Verfahren zur korrekten Erfassung von Kostenverursachung. Ähnlich wie die Divisionskalkulation ist sie schnell und leicht durchzuführen, um einen groben Überblick zu erhalten.

Auch eine mehrstufige Durchführung ist durchaus möglich. Aufgrund der enormen Rechenleistung von Computern, kommen in der Praxis allerdings meist komplexere Kalkulationsverfahren zum Einsatz. Dementsprechend ist die Äquivalenzziffernkalkulation heutzutage eher unüblich.

Beispiele zur Äquivalenzziffernkalkulation

Beispiel 1:

In einer Fabrik werden vier verschiedene Sorten von Plastikflaschen hergestellt. Es werden pro Monat 10.000 0,5 Liter Flaschen, 4.000 0,75 Liter Flaschen, 3.000 1 Liter Flaschen und 750 2 Liter Flaschen hergestellt. Die monatlichen Gesamtkosten betragen dabei 10.000 €.

Es sollen die Selbstkosten pro Sorte mithilfe der Äquivalenzziffernkalkulation ermittelt werden.

SorteÄquivalenzzifferProduktionsmengeUmrechnung auf BasiseinheitKosten pro BasiseinheitSelbstkosten pro MengeneinheitSelbstkosten pro Sorte
0,5 Liter110.00010.0000,40 €0,40 €4.000 €
0,75 Liter1,54.0006.0000,40 €0,60 €2.400 €
1 Liter23.0006.0000,40 €0,80 €2.400 €
2 Liter47503.0000,40 €1,60 €1.200 €
Summe25.00010.000 €

 

Äquivalenzziffernkalkulation einfach erklärtAls Basiseinheit legen wir die 0,5 Liter Flasche fest (Äquivalenziffer = 1). Nun ermitteln wir anhand des Volumens die Äquivalenzziffern der anderen Sorten. Als nächstes rechnen wir alle Mengen in die Basiseinheit um (Äquivalenzziffer * Produktionsmenge) und bestimmen anschließend die Kosten pro Basiseinheit (Gesamtkosten : Summe der Basiseinheiten). Daraus ergeben sich die Selbstkosten pro Mengeneinheit (Kosten pro Basiseinheit * Äquivalenzziffer) und schließlich multipliziert mit der Produktionsmenge die Selbstkosten pro Sorte (Selbstkosten pro Mengeneinheit * Produktionsmenge).

Wie wir sehen ergibt die Summe aller Selbstkosten pro Sorte die Gesamtkosten — so können wir erkennen, dass wir uns nicht verrechnet haben.

Beispiel 2:

Die Rope GmbH stellt schwere Seile in drei unterschiedlichen Länge her.  Pro Jahr werden 5.000 Seile mit 10 Meter Länge, 20.000 Seile mit 50 Meter Länge und 3.000 Seile mit 100 Meter Länge hergestellt. Die jährlichen Gesamtkosten betragen 54.000 €.


Das Ziel des Controllers ist es die jährlichen Selbstkosten pro Sorte für die unterschiedlichen Seile zu bestimmen. Er möchte dafür die Äquivalenzziffernkalkulation benutzen.

SorteÄquivalenzzifferProduktionsmengeUmrechnung auf BasiseinheitKosten pro BasiseinheitSelbstkosten pro MengeneinheitSelbstkosten pro Sorte
10 Meter0,25.0001.0002,00 €0,40 €2.000 €
50 Meter120.00020.0002,00 €2,00 €40.000 €
100 Meter23.0006.0002,00 €4,00 €12.000 €
Summe27.00054.000 €

 

Äquivalenzziffernkalkulation BeispielDa das 50 Meter Seil unser Hauptprodukt zu sein scheint, legen wir hierfür die Basiseinheit (Äquivalenzziffer = 1) fest. Nun ermitteln wir anhand der Seillänge die Äquivalenzziffern der anderen Sorten. Ab hier deckt sich die Vorgehensweise mit dem ersten Beispiel. Die Äquivalenzziffernkalkulation erfolgt wie wir sehen immer nach dem gleichen Schema.

Wir rechnen alle Mengen in die Basiseinheit um (Äquivalenzziffer * Produktionsmenge) und bestimmen daraufhin unsere Kosten pro Basiseinheit (Gesamtkosten : Summe der Basiseinheiten). Hieraus ermittelt man die Selbstkosten pro Mengeneinheit (Kosten pro Basiseinheit * Äquivalenzziffer) und schließlich durch Multiplikation mit der Produktionsmenge die Selbstkosten pro Sorte (Selbstkosten pro Mengeneinheit * Produktionsmenge).

Auch bei diesem Beispiel sehen wir, dass die Summe der Selbstkosten pro Sorte die Gesamtkosten ergeben. Daraus lässt sich folgern, dass wir bei der Berechnung alles richtig gemacht haben.

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