Was ist die dynamische Amortisationsrechnung?

Die dynamische Amortisationsrechnung ermöglicht die Ermittlung der Amortisationszeit einer Investition auf Basis des Kapitalwertmodells. Die dynamische Amortisationsrechnung weist wie alle Modelle der dynamischen Investitionsrechnung im Vergleich zu seinem statischen Pendant den Vorteil auf, dass sie den zeitlichen Anfall der Zahlungen mitberücksichtigt.

Ebenso wie die statische Methode dient die dynamische Amortisationsrechnung lediglich als Risikomaßstab und sollte daher nicht isoliert betrachtet werden.

Dynamische InvestitionsrechnungBezüglich der absoluten und relativen Vorteilhaftigkeit der Investition gelten dieselben Bedingungen wie bei der statischen Amortisationsrechnung. Die Berechnung der Amortisationszeit erfolgt, indem die jeweils abgezinsten Zahlungen kumuliert werden. Die Investition amortisiert sich in dem Jahr, in dem die Summe der abgezinsten Rückflüsse die Anfangsinvestition übersteigt, d. h. die kumulierten Werte positiv werden.

Wie nützlich ist die dynamische Amortisationsrechnung?

  • Die dynamische Amortisationsrechnung funktioniert anlog zur statischen Amortisationsrechnung, jedoch ist die Berücksichtigung der Zeitpräferenz (dynamische Komponente) vorteilhaft.
  • Langfristige Investitionen mit hohen Anfangsauszahlungen werden tendenziell schlechter gestellt.
  • Mithilfe der dynamischen Amortisationsrechnung kann weder eine absolute noch eine relative Vorteilhaftigkeit (Rentabilität) festgestellt werden.
  • Die Amortisationszeit ist somit neben den anderen Investitionsrechnungsverfahren lediglich eine zusätzliche Entscheidungshilfe bei der Beurteilung von Investitionsobjekten.

Das Wichtigste zur dynamischen Amortisationsrechnung in Kürze

Im Gegensatz zur statischen Amortisationsrechnung berücksichtigt die dynamische Amortisationsrechnung bei der Berechnung der Zeitdauer des Mittelrückflusses auch den unterschiedlichen zeitlichen Zahlungsanfall durch Diskontierung der Zahlungen zum Kalkulationszinssatz.

Die dynamische Amortisationszeit einer Investition ist die Zeit, bei der der Kapitalwert der betreffenden Investition gerade gleich Null ist. Die Amortisationszeit ist die Mindestnutzungsdauer für ein Investitionsobjekt.

Die dynamische Amortisationszeit einer Investition ist die Zeit, die vergeht, bis der Investor die Anschaffungsauszahlung nebst Verzinsung wiedergewonnen hat. Allgemein entspricht eine kürzere dynamische Amortisationszeit einem geringeren Investitionsrisiko.

Beispiele

Beispiel 1:

Ein gewerbliches Unternehmen plant die folgende Photovoltaikinvestition:

  • Laufende Einnahmen aus der Investition pro Jahr netto 28.000 €
  • Laufende Ausgaben pro Jahr netto, die durch die Investition bedingt sind 2.000 €
  • Anschaffungswert netto 276.000 €
  • Nutzungsdauer in Jahren 20
  • Finanzierung: Eigenkapital 10% = 27.600 €; Fremdkapital 90% = 248.400 €
  • Zinssatz Fremdkapital: 3,50% wird bei der Kapitaldienstermittlung eingesetzt
  • Zinssatz Eigenkapital: 2,00%
  • Mischzinssatz = Kalkulationszinssatz: 3,35%. Wird in der Amortisationsrechnung eingesetzt.
  • Laufzeit Fremdkapital in Jahren: 12. Innerhalb dieser Zeit muss das Fremdkapital hereingebracht werden.
  • Das Eigenkapital wird über die Amortisationsdauer hereingespielt.

Kann die Investition unter diesen Bedingungen als wirtschaftlich bezeichnet werden? Wie lange ist die Amortisationsdauer? Wie viel Geld kann der Unternehmer in den ersten Jahren pro Jahr aus der Unternehmung entnehmen für privaten Verbrauch?

    • Anschaffungswert = 276.000,00 €
    • Laufende Einnahmen aus der Investition pro Jahr netto  = 28.000,00 €
    • Laufende Ausgaben der Investition = 2.000 €
    • Aufzinsungsfaktor = 1,0335
    • Zinssatz p. a. = 3,35
    • Barwertfaktor = 10,6148673477
    • Amortisationsdauer = 13
    • Nutzungsdauer = 20

Die Investition kann als wirtschaftlich bezeichnet werden. Die Amortisationsdauer beträgt 13 Jahre. Interpretation: Das investierte Kapital wird unter diesen Bedingungen innerhalb von 13 Jahren zurückgewonnen und das in dieser Zeit gebundene Kapital wird mit 3,35% p. a. verzinst.

Der Unternehmer kann pro Jahr maximal 26.000,00 € entnehmen, wenn der Kredit getilgt ist. Der Unternehmer kann in den ersten Jahren pro Jahr 294,59 € aus der Unternehmung für privaten Verbrauch entnehmen.

Literaturhinweise

      1. Däumler, Klaus Dieter/Grabe, Jürgen/Meinzer, Christoph (2019): Investitionsrechnung verstehen – Grundlagen und praktische Anwendung, mit Online-Training, dynamische und statische Verfahren, Amortisationsrechnung und Break-even-Analyse, Einführung in die Unternehmensbewertung, 14. Aufl., nwb Verlag 2019.