Was ist eine Kosten-Nutzen-Analyse (KNA)?

Die Kosten-Nutzen-Analyse wird zur Ermittlung des wirtschaftlichen Nutzens eines Projekts in Relation zu den finanziellen Aufwendungen durchgeführt. Die Anwendungsbereiche der Kosten-Nutzen-Analyse umfassen insbesondere die Analyse und Bewertung staatlicher Investitionsvorhaben bzw. die angemessene Abwägung mehrerer Alternativprojekte.

Die gesamtwirtschaftliche Bewertung wird dann durch Aggregation der individuellen Präferenzen durchgeführt. Der kumulierte Wert einer Maßnahme wird durch den sozialen Nettonutzen gemessen, der die Differenz aus sozialen Nutzen und sozialen Kosten angibt.

In Deutschland besteht auf Bundesebene gemäß der Bundeshaushaltsordnung (BHO § 7 II), auf Länderebene gemäß dem Haushaltsgrundsätzegesetz (HGrG § 6 II), eine explizite Vorschrift zur Kosten-Nutzen-Analyse.

Welche Arten von Kosten-Nutzen-Analysen gibt es?

Die verschiedenen Arten von Kosten-Nutzen-Analysen unterscheiden sich im Wesentlichen hinsichtlich des Analysezeitpunktes:

  • Bevor ein Projekt gestartet werden soll, wird eine ex ante KNA durchgeführt. Durch die ex ante KNA wird die Regierung unmittelbar in der Entscheidung unterstützt, ob ein Projekt oder eine Maßnahme durchgeführt werden sollte oder nicht.
  • Am Ende eines Projektes wird eine ex post KNA durchgeführt. Sie ermittelt nicht nur Informationen über das spezifische Projekt, sondern lässt auch Rückschlüsse auf ähnliche Projekte zu. Dadurch kann ein Lerneffekt für künftige Projekte erreicht werden. Am Projektende ist eine Zurückgewinnung der Kosten ausgeschlossen. Deshalb hat die ex post KNA nur auf zukünftige Projekte ähnlicher Art einen unmittelbaren Einfluss.
  • Im Verlauf eines Projektes durchgeführte KNA werden in medias res KNA genannt. In medias res KNA können Einfluss auf die Fortführung einer Maßnahme haben. Sie basieren ferner auf der Beobachtung von schon angefallenen Kosten und Nutzen und weniger auf der reinen Prognose von Effekten wie die ex ante KNA.
  • Wenn die drei Spielarten der Kosten-Nutzen-Analysen verglichen werden, können für dasselbe Projekt Wissen über den Erfolg einer KNA als Entscheidungs- und Bewertungssystem generiert werden, um für zukünftige ähnliche Projekte zu lernen.

Wie lauten die Standardschritte zur Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse?

Folgende neun Schritte lassen sich bei der Durchführung einer Kosten-Nutzen-Analyse unterscheiden:

Bestimmung der Menge und der zu betrachtenden Alternativen

Die Kosten-Nutzen-Analyse vergleicht die Sozialen Netto-Nutzen eines Projekts im Planfall mit denen einer hypothetischen Alternative. Im Allgemeinen bildet die Alternative eine Situation des gegenwärtigen Zustandes ab. Hier findet keine Veränderung gegenüber der aktuellen Situation statt. Wenn ein Projekt anstelle einer anderen Maßnahme tritt, sollte das Projekt in Relation zur verdrängten Maßnahme bewertet werden.

Bestimmung der in die Analyse einzubeziehenden Nutzen- und Kostenträger

Kosten-Nutzen-Analyse DefinitionEs muss bestimmt werden, wessen Nutzen und Kosten zählen. Dabei ist häufig unklar, ob eine Untersuchung aus der globalen, nationalen oder lokalen Sichtweise durchgeführt werden sollte. Je nach Konzentrationsebene müssen nämlich die Nutzen und Kosten verschiedener zusätzlicher Akteure berücksichtigt werden. Die Kosten der globalen Klimaerwärmung würden beispielsweise in einer lokalen Betrachtung nicht bewertet, in einer globalen Betrachtung hingegen schon.

Katalogisierung der Projektwirkungen und Auswahl von Maßeinheiten

Bei Verkehrsinfrastrukturprojekten beispielsweise entstehen auf der Nutzenseite häufig Zeit- und Betriebskostenersparnisse sowie erhöhte Verkehrssicherheit und Nutzen neuer Nachfrager,  während auf der Kostenseite unter anderem Bau-, Kapital-, Betriebskosten und externe Kosten anfallen.

Mengenmäßige Prognose der zu erwartenden Projektwirkungen über den gesamten Lebenszyklus

Um die Auswirkungen der Projekte vorherzusagen, sind Prognosen über die Nutzen und Kosten in jeder einzelnen Periode notwendig. Bestimmungsgründe der Prognosen bilden der Zeithorizont, die Einzigartigkeit des Projekts und die Komplexität der Beziehungen zwischen den einzelnen mit hohen Unsicherheiten behafteten Einflüssen.

Monetarisierung aller Projektwirkungen

Alle Projektwirkungen werden mit monetären Werten hinterlegt. Ergebnisse ohne vorhandene Marktpreise (beispielsweise Wert eines Lebensjahres) werden mit Kostensätzen bewertet, die durch Methoden der Zahlungsbereitschaftsermittlung bestimmt wurden.

Diskontierung der Nutzen- und Kostenströme zur Erhaltung von Barwerten

Die in der Zukunft anfallenden Kosten und Nutzen werden auf das Bezugsjahr abdiskontiert. Gegenstand der kontrovers diskutierten sozialen Diskontrate sind aktuelle Forschungen, weil es dabei auch um intertemporale Generationengerechtigkeit geht. Die Wahl einer geeigneten Diskontrate ist besonders bei Projekten mit langen Zeithorizonten entscheidend. Dabei kann das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Analyse  sehr sensibel auf nur kleine Änderungen an der Diskontrate reagieren.

Ermittlung des Netto-Barwerts jeder Alternative

Der Nettobarwert (sozialer Nettonutzen) errechnet sich aus der Differenz des sozialen Bruttonutzens und den sozialen Kosten einer Maßnahme. In der Praxis wird oftmals ein Nutzen-Kosten-Verhältnis gebildet oder ein interner Zinsfuß berechnet. Diese führen manchmal zu fehlerhaften Maßnahmeempfehlungen, weshalb der soziale Nettonutzen als Kriterium empfohlen wird.

Durchführung von Sensitivitätsanalysen

Sensitivitätsanalysen mit eindeutig definierten Szenarien sollten wegen der Risiken bei der Prognose von Projektwirkungen und der angemessenen monetären Bewertung einzelner Einflüsse durchgeführt werden.

Aussprechen der Empfehlung

Die Kosten-Nutzen-Analyse bietet eine normative Empfehlung, basierend auf den zugrunde liegenden ökonomischen Anforderungen der Effizienz und Maximierung des sozialen Überschusses.

Kritische Würdigung der Kosten-Nutzen-Analyse

Die Kosten-Nutzen-Analyse ist ein normatives Instrument. Sie stellt keine Darlegung dar, wie politische und bürokratische Entscheidungsträger tatsächliche Entscheidungen treffen. Die praktische Kosten-Nutzen-Analyse basiert auf dem Kaldor-Hicks-Kriterium (Wohlstandskriterium), nach dem eine Maßnahme durchgeführt werden sollte, wenn die Gewinner einer Maßnahme die Verlierer potentiell kompensieren könnten und die Gewinner trotzdem besser gestellt würden.

Das heißt, dass nur Maßnahmen mit einem positiven sozialen Nettonutzen ausgeführt werden sollten. Damit setzt die Kosten-Nutzen-Analyse das Ziel der Allokationseffizienz. Dies sollte bei der Deutung der Ergebnisse einer Kosten-Nutzen-Analyse beachtet werden, um Missverständnissen vorzubeugen.

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