Was ist Unternehmensethik?

Die Unternehmensethik ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das sich mit der sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen auf makropolitischer Ebene, Branchen-, Unternehmens- und Führungsebene befasst.

Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung (beispielsweise in den Bereichen Umweltschutz, Kinderarbeit, Korruption, Marketing u. a.) wird mittlerweile von einer kritischen Öffentlichkeit eingefordert. Deshalb dokumentieren Unternehmen öffentlich ihr gesellschaftliches Engagement (corporate citizenship).

Fallstudie zur Unternehmensethik

Die Liste der ca. 50 Ausbildungsberufe, die dem kaufmännisch-verwaltenden Bereich zuzuordnen sind, reicht vom Automobilkaufmann über den Immobilienkaufmann und den Industriekaufmann bis hin zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. Für jeden staatlich anerkannten Ausbildungsberuf gibt es eine eigene Ausbildungsordnung mit einem Ausbildungsberufsbild und Ausbildungsrahmenplan, die von Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer unter Mitwirkung des Bundesinstituts für Berufsbildung erarbeitet und vom zuständigen Bundesministerium in Kraft gesetzt werden.

Die moderne Unternehmensethik ist darin noch nicht angekommen. Nur in wenigen Ordnungsmitteln für die betriebliche Berufsausbildung und den darauf abgestimmten schulischen Rahmenlehrplänen finden sich Spurenelemente davon. Die Kaufleute für E-Commerce sollen ethische Grenzen beim Online-Marketing berücksichtigen, die Einzelhandelskaufleute bei der Werbung.

UnternehmensethikBei Letzteren heißt es in den Vorbemerkungen des Rahmenlehrplanes, dass die Aktionsbereiche des Einzelhandels und die darauf bezogenen Lernfelder vielfältige Anlässe für wirtschafts- und warenethische Bezüge böten. Bankkaufleute sollen lernen, ethische Gesichtspunkte bei der Kreditprüfung zu berücksichtigen, Investmentfondskaufleute bei der Produktentwicklung, also dem Auflegen von Wertpapierfonds.

Das sind Ansatzpunkte, aber systematisch viel zu wenige. Kaufmännische Auszubildende werden weder mit den Modellen, Theorien und Konzepten der modernen Unternehmensethik noch mit der Praxis in den Unternehmen systematisch konfrontiert. Dieser ernüchternde Befund wirft die Frage auf, wie dieses Defizit behoben werden kann.

Wie kann das Defizit in der Unternehmensethik behoben werden?

Zunächst ist als Randbedingung zu beachten, dass die Handlungssituationen in den kaufmännischen Berufen ebenso verschieden sind wie die zu erledigenden Aufgaben und die zu lösenden Probleme. Schon die Gegenstände des kaufmännischen Handelns variieren stark, wie der schlichte Vergleich des Automobils mit der Immobilie illustriert. Gleiches gilt für die Tätigkeiten, die bei Kaufleuten im Einzelhandel gänzlich andere sind als bei Kaufleuten im Gesundheitswesen oder Steuerfachangestellten.

Daher sind die konkreten Anforderungen an die Urteils-, Entscheidungs- und Handlungskompetenz der Erwerbstätigen recht unterschiedlich. Dies gilt in fachlicher Hinsicht, aber eben auch in ethischer Sicht. Da die kaufmännische Berufsausbildung zur kompetenten Berufsausübung befähigen soll, ist es folgerichtig, dass sich die Curricula nicht zuletzt an den beruflichen Handlungssituationen orientieren, sodass das kaufmännische Curriculum über alle Berufe hinweg kein einheitliches ist.

Ebenso variantenreich wie der fachliche Teil müsste daher der unternehmensethische Teil der kaufmännischen Curricula sein, damit die wirtschaftsethische Bildung zum kompetenten Urteilen, Entscheiden und Handeln befähigt und zusammen mit der wirtschaftsfachlichen Bildung integrativ erfolgen kann.

Wie kann die Unternehmensethik im kaufmännischen Curriculum verankert werden?

Die Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, die die Ausbildungsberufsbilder modernisieren – wenn auch in großen Zeitabständen – und neue Ausbildungsberufe schaffen (unlängst den Kaufmann für E-Commerce, länger zurückliegend den Sport- und Fitnesskaufmann), müssen zunächst einmal den Willen aufbringen, die ethische Dimension wirtschaftsberuflichen Handelns in allen Ausbildungsordnungen fest zu verankern. Da das kaufmännische Curriculum nach Lernfeldern strukturiert wird, muss diese Verankerung in eben diesen Lernfeldern erfolgen, die für jeden Ausbildungsberuf anders sind.

Um die Unternehmensethik systematisch in die Lernfelder zu integrieren, müssen die zu erreichenden Qualifikationsziele und die zu vermittelnden Inhalte situationsspezifisch sowie aufgabenund problemspezifisch formuliert werden. Um schließlich die berufliche Handlungskompetenz der Absolventen zu fördern, muss dies in Unterricht und Unterweisung in lösungsorientierter Weise geschehen. Es genügt nicht, die ungelösten Probleme aufzuzeigen und die Schülerinnen und Schüler damit alleine zu lassen. Es müssen vielmehr Lösungsansätze vermittelt werden, die zumindest problementschärfend wirken, weil hundertprozentige Problemlösungen in der Praxis oft nicht erreichbar sind.

Findet die Unternehmenskultur auf diese Weise Eingang in die Ordnungsmittel für die betriebliche Berufsausbildung, so steht zu erwarten, dass die Kultusministerkonferenz die Wirtschafts- und Unternehmensethik in den darauf abzustimmenden Rahmenlehrplänen für den schulischen Teil der kaufmännischen Berufsausbildung verankert.

Praktisch wirksam wird dies jedoch nur, wenn dies nicht in den allgemeinen und oftmals schöngeistigen Vorbemerkungen erfolgt (Präambel), sondern ebenfalls in den Lernfeldern. Damit wäre dann eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Unternehmensethik tatsächlich als Bildungsziel und -inhalt Eingang in die alltägliche Praxis der beruflichen Bildung in der Schule findet.

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