Wann liegen Voreingenommenheit und Diskriminierung vor?

Voreingenommenheit und Diskriminierung sind soziale Phänomene, die nicht nur meist unfair gegenüber den Betroffenen sind, sondern zum Beispiel in Unternehmen erhebliche Kosten verursachen können. Dies ist etwa der Fall, wenn eigentlich schlechter qualifizierte männliche Bewerber besser qualifizierten Frauen vorgezogen werden.

In der Sozialpsychologie unterscheidet man zwischen Stereotyp, Vorurteil und Diskriminierung. Diese beziehen sich immer auf die Gruppenmitgliedschaft eines Menschen. Fühlt sich jemand von einem Nachbarn gestört, weil er um vier Uhr morgens Musik spielt, ist das vermutlich kein Vorurteil, sondern es hat mit dem Verhalten der Person zu tun. Mag man die Person hingegen nicht, weil sie Russin ist, also zu der Gruppe der Rusen gehört, dann handelt es sich um ein klassisches Vorurteil.

Was ist ein Stereotyp?

Als Stereotyp bezeichnet man mit einer sozialen Gruppe assoziierte Eigenschaften, die nicht unmittelbar eine starke Abneigung oder Zuneigung beinhalten. Stereotype sind rein gedankliche Konstruktionen, haben also eine kognitive Komponente. Sie sind im gesellschaftlichen Kontext entstanden und beinhalten sozial geteiltes Wissen oder Pseudowissen. Beispiele für Stereotype sind: „Griechen essen Schafskäse“, „Schwarze können gut tanzen“ oder „Frauen reden mehr als Männer“.

Was sind Vorurteile?

Bei einem Vorurteil sind meist Emotionen im Spiel, und es basiert häufig auf dürftigem Wissen. Sie sind mit einer negativen Bewertung der Person, die einer bestimmten Gruppe angehört, verbunden. Beispiele für Vorurteile sind etwa „Die meisten Hartz-IV-Empfänger wollen nicht arbeiten“, „Studenten sind arrogant“ oder „Homosexuelle sind verständnisvoll“.

Was ist Diskriminierung?

Unter Diskriminierung versteht man ein besonderes Verhalten gegenüber einer Person, das sich aufgrund deren Gruppenzugehörigkeit vom Verhalten gegenüber anderen Personen unterscheidet. Diskriminierung kann sehr unterschiedlich stark auftreten. So gehen schon oft unbewusste Verhaltensweisen im Alltag, zum Beispiel im Bus Abstand zu einer Türkin zu halten, als Diskriminierung. Eines der extremsten Beispiele ist der Völkermord. Auch positiv zu diskriminieren ist möglich.

Welche Studien über Voreingenommenheit und Diskriminierung gibt es?

In Experimenten des Sozialpsychologen Joshua Correl und seiner Kollegen wurden Versuchsteilnehmer gebeten, an einem Computerspiel teilzunehmen und darin die Rolle eines Polizisten zu übernehmen. Sie sollen schießen, wenn am Bildschirm jemand mit Waffe erschien (Taste A), und nicht schießen, wenn  keine Waffe zu sehen war (Taste B). Sie hatten eine Sekunde Zeit, um per Tastendruck zu reagieren. Die Zeit für die Entscheidung war also wie in einer realen Situation knapp gehalten, denn mehr als eine Sekunde bleibt Polizisten für die richtige Reaktion in solchen Situationen häufig nicht. Manche der im Computer gezeigten Personen waren weißer, andere schwarzer Hautfarbe.

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Das Ergebnis war, dass Versuchspersonen öfter auf Schwarze schossen als auf Weiße – auch, wenn diese gar keine Waffe in den Händen hielten. Die Studie wurde mit leichten Veränderungen nachgestellt und zeigte, dass derselbe Effekt auch bei Menschen zu finden ist, die Wert darauf legen, dass sie Schwarze und Weiße für gleichwertig halten. Der Effekt tritt sogar dann auf, wenn die Versuchspersonen aktiv dagegen angehen wollen. Selbst bei Schwarzen gibt es den Effekt. Allein die Gedächtnisspur „Schwarze = kriminell“ führt in diesen Studien dazu, dass die Versuchspersonen in einem Computerspiel Schwarze eher erschießen. Stereotypes Wissen kann also ohne die Beteiligung von bewussten Vorurteilen zu Diskriminierungen führen.

Das beschriebene Spiel kannst Du unter folgender Internet-Adresse auch selbst ausprobieren:  http://ccsn.uchicago.edu/Studies/ShooterEffect/. Weitere implizite Assoziationstests findest Du unter folgender Internet-Adresse: http://implicit.harvard.edu/implicit/.

Worauf beruhen Stereotype?

Warum sind Stereotype so beständig, und warum haben wir sie? Eine wichtige Quelle für Vorurteile sind Gruppenprozesse: Menschen sind Lebewesen, die sich gerne in Gruppen aufhalten und dadurch ihre Identität definieren. Gruppen werden durch gemeinsam geteilte Interessen und Werte wie beispielsweise Bildung zusammengehalten. Umgekehrt impliziert dies, dass es eine Gruppe gibt, die diese Werte nicht teilt und die man als Mitglied einer anderen Gruppe vermutlich ablehnt.

Ein Mangel an Wissen ist der Nährboden für Vorurteile. Wenn wir die Mitglieder einer Fremdgruppe zudem nicht mögen und zu ihnen Distanz halten, so müssen wir sie doch irgendwie verstehen, um uns vor ihnen schützen zu können. Dazu dienen uns Stereotype, also grobe Vorstellungen, als Orientierungshilfe. Stereotype sind Pseudowissensstrukturen, die uns befähigen sollen, das Leben zu meistern. Es ist sinnvoll, zu wissen, wer potenziell hilfreich oder gefährlich ist.

Solche Assoziationen sind vor allem dann nützlich für eine Entscheidung, wenn man schnell urteilen muss, abgelenkt ist oder keine Motivation hat, eine Person besser kennenzulernen. Sie führen jedoch zu Fehlern, wenn die Stereotype selbst falsch sind, also nicht Wissen, sondern Pseudowissen beinhalten oder wenn dieses Wissen auf eine Person nicht zutrifft. So hat die letzte Pisa-Studie gezeigt, dass Mädchen in Mathematik nicht schlechter als Jungen sind. Dieses Stereotyp ist in der Gesellschaft noch relativ ausgeprägt und sollte demnach geändert werden.

Ein weiteres Problem ist, dass das menschliche Gedächtnissystem Wissen manchmal aufgrund nicht repräsentativer Beobachtungen bildet. Wenn man noch nie etwas mit Bulgaren zu tun hatte und die erste Bulgarin, die man trifft, Vegetarierin ist, wird im Gedächtnis kurzerhand ein Stereotyp angelegt, dass Bulgaren Vegetarier sind. Eine solche Wissensbasis aber taugt nicht viel. Selbst wenn ein Stereotyp zutrifft, wie das, dass Jungen agressiver sind als Mädchen (das zeigen Studien tatsächlich), kann es sein, dass dieses auf eine einzelne Person nicht zutrifft. Die Generalisierung ist ein großes Problem, wenn wir Stereotype zur Personenbeurteilung gebrauchen. Wir müssen also näher hinschauen.

Das Wichtigste zur Voreingenommenheit in Kürze

Aus der Forschung kann man folgende Lehren ziehen: Je besser man jemanden kennt, umso weniger wirken Vorurteile. Je mehr einem seine eigenen Vorurteile bewusst sind, umso eher kann man bewusst gegen sie angehen. Es sind viele Informationen über einen Menschen nötig, möglichst über sein Verhalten, um ihn fair beurteilen zu können, und es braucht Zeit. Bei Bewerbungen etwa sind blinde Testverfahren eine gute Lösung.