Was ist Absatzfinanzierung?

Der Begriff Absatzfinanzierung lässt sich als Absatzerleichterung durch Finanzierungshilfe in Form von

  • speziellen Absatzförderungskonditionen,
  • Krediten oder
  • Kreditsubstituten

beschreiben. Das Unternehmen kooperiert dabei mit seinem Marktpartner entweder auf direktem Wege – wie im Falle spezieller Konditionen – (Funktions- oder Stufenrabatte für den Groß- und Einzelhandel, Mengenrabatte, Zeitrabatte, Treuerabatte für Verbraucher), über Lieferbedingungen (Umtauschrecht, Verzicht auf Porti- und Frachtenberechnung durch Lieferung frei Haus), oder über spezielle Zahlungskonditionen, wie die Inzahlungnahme gebrauchter Ware, und Sonderkonditionen (Baukostenzuschüsse, Prämien, Werbepauschalen, Mietzahlungen usw.).

Welche Systematisierungskriterien der Absatzfinanzierung unterscheidet man?

Im Rahmen der Finanzierungskonditionen lassen sich Lieferanten- und Konsumentenkredite als absatzfördernde Maßnahmen von den Kreditsubstituten unterscheiden. Letztere umfassen neben den Refinanzierungsmöglichkeiten wie Factoring und Forfaitierung auch Sachmittelüberlassungsverträge (Leasing) und Kombinationen des Liefer- und Finanzierungsgeschäftes in Form von Beteiligungen.

Neben dieser funktionalen Unterteilung der Absatzfinanzierung ergeben sich in Abhängigkeit vom Absatzweg (Konsumenten, Handel oder ausländische Geschäftspartner), der Finanzierungsart (bankmäßig oder nicht-bankmäßig) sowie der Güterart (Investitions- oder Konsumgüter) weitere Systematisierungskriterien.

Welche binnenhandelsorientierte Möglichkeiten für Retail Finance gibt es?

Die konsumentenorientierte Absatzförderung beinhaltet zum einen die Konsumentenkredite der Sparkassen, Banken und Genossenschaften in Form von Kleinkrediten und Anschaffungsdarlehen, deren Vergabe durch Bankkredit- und Scheckkarten erleichtert wird, und zum anderen die nicht-bankmäßigen Finanzierungshilfen, unter denen alle Krediteinräumungen des Verkäufers an den Käufer zusammengefasst werden: Anschreiben lassen, Monats- und Wochenrechnungen, Teilzahlungskredite, Kredite von Kreditvermittlungsbüros und im weiteren Sinne auch Leasingofferten.

AbsatzfinanzierungSpeziell auf den Handel  ausgerichtete, gegebenenfalls mit Vorzugskonditionen ausgestattete bankmäßige Instrumente sind die Beleihung von Waren oder Wertpapieren durch eine Bank (Lombardkredit), Darlehen auf den Warenbestand und Diskontkredite. Zusätzlich bieten sich Herstellerleistungen durch Gewährung von Lieferantenkrediten, Wechselkrediten und die schon genannten Sonderkonditionen als Maßnahmen zur Finanzierung des Absatzes an.

Eine neuere Form der Absatzförderung (mit Finanzierungsaspekten) im Einzelhandel ist das Franchising, bei dem der Franchisegeber den rechtlich selbständig bleibenden Franchisenehmer gegen Entgelt das Recht einräumt, bestimmte Waren oder Dienstleistungen in einer vertraglich fixierten Form anzubieten. Die Kosten für den Franchisenehmer sind in der Regel an den erzielten Umsatz gekoppelt: zwischen 1 % und 3 % des Umsatzes werden an den Franchisegeber für erbrachte Dienstleistungen abgeführt. Dafür unterhält er ein ständiges Auslieferungslager beim Franchisenehmer, der somit Kapitalbindungen im Lager vermeidet

Welche außenhandelsorientierte Möglichkeiten der Absatzfinanzierung gibt es?

Neben speziellen Außenhandelskonditionen existieren für Auslandsgeschäfte zusätzlich zu den üblichen Privatdiskontkrediten (der Exporteur zieht auf seine Hausbank  einen Wechsel) die Finanzierungsmöglichkeiten durch Kredite der Ausfuhrkreditbank GmbH (AKA) sowie Avalkredite in Form von Bürgschafts- und Garantie-Krediten (Hermes Kreditversicherung AG und Deutsche Revisions- und Treuhand AG). Zunehmend bedeutsam werden Euro-Kredite. Für das Exportgeschäft mit Entwicklungsländern werden langfristig geregelte Absatzgüterkredite geboten einschließlich staatlicher Entwicklungshilfen.

Eine Sonderstellung nimmt die Forfaitierung ein. Sie beinhaltet grundsätzlich den Ankauf von einzelnen langfristigen Forderungen eines Lieferanten aus einer Exporttätigkeit mit Investitionsgütern durch ein Finanzierungsinstitut (Forfaitist) unter Übernahme des Ausfallrisikos.

Neben dem Factoring (Gesamtankauf von Forderungen bei Zahlungszielen > 30 Tage) findet auch das Leasing eine zunehmende Verbreitung im Außenhandelsgeschäft. Dem Importeur wird über eine dort ansässige Leasinggesellschaft, die in der Regel über ein inländisches Schwesterunternehmen kontaktiert wird, die Leasingmöglichkeit als liquiditätswirksames Finanzierungsangebot offeriert.

Für Investitionsgüter bieten sich als absatzfinanzierende Instrumente die Kreditsubstitute Leasing, Factoring und die Beteiligungsfinanzierung im Anlagenbau an, während im Bereich der Konsumgüter die Konsumentenkredite neben speziellen Leasingformen für höherwertige Konsumgüter dominieren (Anlagengeschäft). Eine weite Verbreitung finden Leasingverträge für Automobile, Video- und Fernsehgeräte mit Laufzeiten von in der Regel nicht unter einem Jahr.

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