Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Der Begriff Bruttoinlandsprodukt bzw. BIP kursiert ständig in den Medien. Jedermann glaubt zu wissen was man darunter versteht, doch nur die wenigsten kennen die Einzelheiten. Wir möchten es genau wissen und beginnen mit der Definition des Begriffs BIP.


Unter dem Bruttoinlandsprodukt versteht man den Wert aller Güter und Dienstleistungen, die in einer bestimmten Zeit in einer Volkswirtschaft produziert werden und für den Endverbrauch bestimmt sind. Das BIP ist einer der wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft.

Bruttoinlandsprodukt DefinitionDa die Definition nicht ganz selbsterklärend ist, wollen wir genauer darauf eingehen. Mit dem Begriff Volkswirtschaft muss nicht zwingend ein bestimmtes Land gemeint sein. Es kann sich beispielsweise auch um die Eurozone oder Nordamerika handeln. Viele von euch fragen sich bestimmt warum nur Güter und Dienstleistungen gezählt werden, die für den Endverbrauch bestimmt sind? Hierzu ein kurzes Beispiel: Ein Automobilhersteller verkauft einen Sportwagen im Wert von 100.000€ an einen Privatkunden. Diese 100.000€ werden nun als Wert des Sportwagens in das Bruttoinlandsprodukt aufgenommen. Würde man nun zusätzlich noch den Wert des Motors, der Reifen, der Karosserie, der Elektronik, usw. in das Bruttoinlandsprodukt aufnehmen, so würde dies alles doppelt gezählt werden, weil der Hersteller den Wert dieser Teile selbstverständlich im Verkaufspreis berücksichtigt.

Nominales und reales Bruttoinlandsprodukt

Es ist wichtig zwischen dem nominalen und dem realen Bruttoinlandsprodukt unterscheiden zu können. Das nominale BIP ist die gängigere Form und wird zu jeweiligen Marktpreisen berechnet. Im Klartext bedeutet dies, dass man einfach die Summe aller Preise berechnet, die für alle Güter und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitabschnitt bezahlt wurden. Infolgedessen hängt das nominale BIP von Preisveränderungen in einer Volkswirtschaft ab. Ein steigendes nominales BIP kann also einerseits durch eine Erhöhung der Preise oder eine Erhöhung der verkauften Güter und Dienstleistungen zustande kommen. Dementsprechend ist das nominale Bruttoinlandsprodukt abhängig von Inflation und Deflation.

Um die Auswirkung des Preisniveaus auf das BIP zu verhindern, bildet man das reale BIP. Das reale BIP gibt Auskunft über die Summe aller produzierten Güter und Dienstleistungen unabhängig von Preisveränderungen. Es ist preisbereinigt. Im Gegensatz zum nominalen BIP wird das reale BIP zu den Preisen eines festgelegten Basisjahrs berechnet. Um das reale in das nominale Bruttoinlandsprodukt umzurechnen, benötigt man den Preisindex und folgende Formel:

BIP Berechnung

Wenn euch der Zusammenhang noch nicht ganz klar ist, schaut bei unserem Beispiel weiter unten vorbei. Dort findet ihr eine konkrete Berechnung des nominalen und realen Bruttoinlandsprodukts.


Berechnung des BIP 

Das Bruttoinlandsprodukt wird in der Realität mithilfe der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die hier nicht weiter erklärt werden soll, ermittelt. Zur Berechnung gibt es drei gängige Wege, die alle zum gleichen Ergebnis führen.

  • Nach Entstehung: Hierbei wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft von der Produktionsseite betrachtet. Man ermittelt die Summe der Werte aller produzierten Güter und Dienstleistungen und zieht davon die Vorleistungen ab. Kurz:
  • Nach Verwendung: Hier wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft von der Konsumseite betrachtet. Man addiert Konsum, Staatsausgaben, Bruttoinvestitionen und den Außenbeitrag, um das BIP zu ermitteln.
  • Nach Verteilung: Bei dieser Methode wird das BIP anhand des entstandenen Einkommens beurteilt. Man addiert also Arbeitnehmerentgelte und die Einkommen aus Unternehmertätigkeiten und Vermögen.

Begriffe rund um das BIP

Im Zusammenhang mit dem Bruttoinlandsprodukt werden oft die Begriffe Bruttonationaleinkommen, Nettonationaleinkommen und Volkseinkommen genannt. Was hat man hierunter zu verstehen? Die Begriffe sind eng mit dem Bruttoinlandsprodukt verbunden. Hat man einmal verstanden was das BIP ist, so wird man keine Probleme dabei haben die anderen Begriffe zu deuten.

BIP Erklärung

Auf Deutschland bezogen versteht man unter dem Saldo der Primäreinkommen aus dem Rest der Welt die Differenz zwischen dem EInkommen, welches Deutsche im Ausland generieren und dem Einkommen, welches Ausländer in Deutschland generieren. So werden beispielsweise das Einkommen, welches ein deutscher Schreiner in Schweden verdient und das Einkommen, welches ein schwedischer Bankkaufmann in Deutschland verdient, gegeneinander aufgerechnet. So erhält man das Einkommen der Nation statt des Landes.

Bruttoinlandsprodukt berechnen

Um vom Bruttonationaleinkommen auf das Nettonationaleinkommen zu kommen, müssen lediglich die gesamtwirtschaftlichen Abschreibungen abgezogen werden.

Bruttoinlandsprodukt Pro Kopf

Um das Volkseinkommen zu ermitteln, werden von dem Nettonationaleinkommen die indirekten Steuern und Importabgaben abgezogen und die Kosten für Unternehmenssubventionen hinzu addiert.

Das BIP als Indikator für Lebensqualität

In diesem Abschnitt soll kurz diskutiert werden inwiefern das BIP (pro Kopf) als Indikator für eine hohe Lebensqualität geeignet ist.

Zunächst können wir festhalten, dass das BIP nichts über die Produktivität einer Volkswirtschaft aussagt. So kann ein BIP pro Kopf in Höhe von 60.000€ mithilfe von 40 Stunden Arbeit pro Woche erreicht worden sein oder auch mit 80 Stunden Arbeit pro Woche. Diejenige Volkswirtschaft, die dies mit dem geringeren Aufwand schafft, ist selbstverständlich produktiver. Die Leute dort haben mehr Freizeit und in diesem Sinne eine höhere Lebensqualität.


Obendrein kann man anhand des BIP nichts über die Verteilung des Einkommens aussagen. Die berühmte Schere zwischen Arm und Reich kann besonders groß oder eben auch klein sein.

Außerdem beinhaltet das BIP bestimmte Indikatoren für eine hohe Lebensqualität schlichtweg überhaupt nicht. So spielen die Gesundheit der Bewohner, Bildungsqualität, Umweltbelastung, Kultur, etc. überhaupt keine Rolle beim BIP.

Desweiteren wird das BIP durch Leistungen erhöht, die die Lebensqualität sogar negativ beeinflussen. So führt beispielsweise ein Autounfall zu einer Erhöhung des BIP und gleichzeitig zu einer Senkung der Lebensqualität für die betroffenen Personen.

Gleichzeitig werden bestimmte Tätigkeiten, welche die Lebensqualität durchaus erhöhen können, im BIP nicht berücksichtigt. Private Hausarbeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten oder auch illegale Aktivitäten fallen in diese Kategorie.

Beispiele: 

Beispiel 1:

Wir betrachten eine Volkswirtschaft in der ausschließlich Müsli und Brot produziert und konsumiert werden. Die Entwicklung der Preise und der konsumierten Menge der Güter sei in der folgenden Tabelle dargestellt.

Man bestimme für die jeweiligen Jahre das nominale und das reale (zu Preisen von 2017) Bruttoinlandsprodukt.

JahrMüsliBrotNominales BIPReales BIP (zu Preisen von 2017)
PreisMengePreisMenge
201735262727
201844373726
201925272429
202043432415
202136273232

Um auf die Werte für das nominale BIP zu kommen, müsst ihr nur die Werte für Preis und Menge in der jeweiligen Zeile miteinander multiplizieren und die Werte beider Güter addieren. Für das Jahr 2018 sähe die Rechnung so aus:

Nominales Bruttoinlandsprodukt

Um die Werte für das reale BIP zu erhalten, macht ihr dasselbe wie beim nominalen BIP mit dem Unterschied, dass ihr stets die Preise von 2017 verwendet und nicht die der jeweiligen Jahre. Für das Jahr 2018 sähe die Rechnung so aus:

Die Rechnung für die anderen Jahre erfolgt analog.

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