Was ist strategische Kontrolle?

Im Ablauf des strategischen Managements stellt die strategische Kontrolle zum einen einen Schlusspunkt dar, indem sie den Implementierungserfolg der verwendeten Strategien kontrolliert. Andererseits stellt die strategische Kontrolle aber gleichzeitig einen Ausgangspunkt für einen neuen Anstoß des Strategieprozesses dar, weil neue Informationen eine Kurskorrektur erforderlich machen können.

Doch strategische Kontrolle findet nicht nur abschließend statt. Der gesamte Prozess des strategischen Managements wird von der strategischen Kontrolle begleitet, überwacht und gesteuert. Diese letzte Funktion wird auch strategisches Controlling genannt.

Strategische Kontrolle leistet also mehr als die Überprüfung, ob beschlossene Strategien plangemäß verwirklicht werden. Die strategische Kontrolle umfasst neben der Durchführungskontrolle, die Prämissenkontrolle und die strategische Überwachung.

Welche Arten der strategischen Kontrolle gibt es?

Die Kontrolle erfüllt im Zyklus des strategischen Managements drei Funktionen:

  • Strategische KontrolleDie Durchführungskontrolle soll den Fortschritt und die Auswirkungen der Strategie-Implementierung überwachen.
  • Durch die Prämissenkontrolle stellt eine Unternehmung fest, inwieweit wesentliche Annahmen für die Strategieformulierung zukünftig gelten.
  • Die strategische Überwachung untersucht ein breites Informationsspektrum auf Anzeichen für zukünftige grundlegende Veränderungen im Unternehmensumfeld.

Der Prozess des strategischen Managements muss je nach Kontrollergebnis gelegentlich aufs Neue angestoßen werden.

Was ist Durchführungskontrolle?

Die Durchführungskontrolle soll die Fortschritte und die Erfolgswirksamkeit der Maßnahmen prüfen, durch die eine Strategie realisiert wird. Damit ergeben sich hier zwei Beobachtungsgegenstände:

  • Die bei der strategischen Planung verabschiedeten Maßnahmen zur Erreichung der dort beschlossenen Ziele werden mittels Meilensteinen (Teilzielen) dauernd überwacht.
  • Da die Verwirklichung der Maßnahmen und des Erfolges der Strategie nicht immer Hand in Hand gehen, muss kontrolliert werden, ob mit den realisierten Maßnahmen auch tatsächlich die angestrebten Ziele bezüglich der strategischen Wettbewerbsposition erreicht werden, ob die Maßnahmen also tatsächlich geeignet sind, um die strategischen Ziele zu erreichen.

Was ist Prämissenkontrolle?

Eine Abweichung in der Zielerreichung trotz Maßnahmenerfüllung kann eine weitere Ursache haben: Waren die Prämissen (Annahmen), unter denen die Strategie entwickelt wurde, richtig? Auch diese Frage muss im Rahmen der strategischen Kontrolle geprüft werden.

Strategische Planung ist ein in die Zukunft gerichteter Prozess, der unweigerlich auf Annahmen bezüglich der Entwicklung verschiedener relevanter Faktoren zurückgreifen muss. Diese Annahmen sind unsicher und können sich nachträglich als fehlerhaft erweisen.

Mit falschen Annahmen verlieren jedoch die darauf gründenden Strategien unter Umständen ihre Erfolgswahrscheinlichkeit und damit ihre Berechtigung. Die Kontrolle der Prämissen hat die Aufgabe, die Annahmen und Umstände, unter denen eine Strategie entwickelt wurde, auf ihre Relevanz hin zu überprüfen.

Beispiel zur Prämissenkontrolle:

In der Annahme, die Kunden legten großen Wert auf innovative Produkte, entwickelte Coca-Cola eine Reihe von Varianten seiner Limonade. Die Varianten zuckerfrei und koffeinfrei erlangten Bedeutung am Markt. Bei der Formulierung der Strategie bewertete Coca-Cola die Innovationsfreudigkeit der Kunden für die Merkmale Geschmack und Farbe nicht richtig. Die Varianten Kirschgeschmack und transparent konnten sich nicht durchsetzen.

Besonders wichtig wird die Prämissenkontrolle, wenn Unternehmen sich in dynamischen Wettbewerbsumfeldern bewegen, in denen sich Produkte, Kundenbedürfnisse und Wettbewerberverhalten schnell ändern.

Die strategische Überwachung als weitere strategische Kontrollaktivität soll derartige Veränderungen rechtzeitig erkennen.

Was ist strategische Überwachung?

Die Prüfung und Durchleuchtung bestimmter, genau formulierter Schritte, Ziele und Vermutungen bildet den Kern der Durchführungs- und Prämissenkontrolle. Die strategische Überwachung ist dagegen eine eher ungerichtete Kontrollaktivität. Häufig auch als strategische Frühaufklärung bezeichnet, soll sie Trends und Entwicklungen in der Unternehmensumwelt frühzeitig aufspüren. Zu diesem Zweck werden auf sehr breiter Ebene Informationen ausgewertet und Hinweise auf mögliche zukünftige Chancen und Risiken gesucht. Herbei unterstützen strategische Frühwarnsysteme.

Mit der Szenario-Technik können die mitunter ungenauen Nachrichten und sehr weit in die Zukunft weisenden, unsicherheitsbehafteten Entwicklungslinien systematisch verarbeitet werden. Hierbei wird eine übersichtliche Anzahl grundverschiedener Zukunftsalternativen entworfen, über deren potenzielle Auswirkungen auf ein Unternehmen sich dessen Führungskräfte dann rechtzeitig Gedanken machen können.

Beispiele zur strategischen Kontrolle

Für welche Funktion der strategischen Kontrolle eines Touristik-Unternehmens sind folgende Informationen jeweils bedeutsam?

  1. Politische Unruhen lassen das bisher boomende Türkei-Geschäft einbrechen.
  2. Die Fernost-Reisen können gegenwärtig nicht erweitert werden, weil nicht reichlich Reiseleiter/innen mit japanischen Sprachkenntnissen am Arbeitsmarkt verfügbar sind.
  3. Virtual-Reality-Technologien können der Öffentlichkeit die Untersuchung gefährdeter chinesischer Kunstgegenstände ermöglichen.
  1. Prämissenkontrolle: Die bestehenden Strategien sind unter der Annahme entstanden, dass die Nachfrage nach Türkei-Reisen weiterhin ansteigt.
  2. Durchführungskontrolle: Die Umsetzung der geplanten Strategie verzögert sich wegen des Arbeitskräftemangels.
  3. Strategische Überwachung: Vielleicht sollten in ferner Zukunft Studien- und Kunstreisen auch im Rahmen der virtuellen Realität am Computer angeboten werden?

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