Was sind Bilanzkennziffern? 

Unter Bilanzkennziffern bzw. Bilanzkennzahlen versteht man die Kennzahlen, die unmittelbar aus der Bilanz eines Unternehmens abgeleitet werden können. Da in §266 HGB genau vorgeschrieben ist, welche Posten in die Bilanz eines Unternehmens gehören, können stets die gleichen Bilanzkennziffern für jedes Unternehmen berechnet werden. Somit können diese untereinander verglichen werden, was beispielsweise regelmäßig von Analysten getan wird, um Unternehmen in dieser Hinsicht zu bewerten.

Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung der Bilanz gelten nur für Kapitalgesellschaften ab einer gewissen Größe — für kleinere Kapitalgesellschaften gelten Vereinfachungen, wodurch bestimmte Posten der Bilanz wegfallen und somit manche Bilanzkennziffern nicht berechnet werden können.

Bilanzkennziffern DefinitionDa sowohl das Anlagevermögen als auch das Gesamtvermögen aus der Bilanz eines Unternehmens ersichtlich ist, wäre die Anlagenintensität ein Beispiel für eine Bilanzkennziffer. Über die Bilanz hinaus gibt es natürlich noch eine Menge anderer Kennzahlen, die zur Bewertung von Unternehmen genutzt werden. So gibt es beispielsweise noch Kennzahlen, die aus den Posten der GuV abgeleitet werden. Ein Beispiel für eine solche GuV-Kennzahl wäre die Eigenkapitalrentabilität, da der Jahresüberschuss in der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens zu finden ist.



Bilanzkennziffern können vertikal oder horizontal gebildet werden. Vertikal bedeutet, dass die Posten einer Seite der Bilanz miteinander verglichen werden (also nur Aktivposten miteinander oder nur Passivposten miteinander). Horizontal bedeutet hingegen, dass ein Aktivposten mit einem Passivposten in ein Verhältnis gesetzt wird. Ein Beispiel für eine vertikale Bilanzkennziffer wäre dementsprechend die Anlagenintensität (Anlagevermögen zu Gesamtvermögen) und ein Beispiel für horizontale Bilanzkennziffern wären die Liquiditätsgrade (Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten).

Welche Bilanzkennziffern gibt es? 

Bilanzkennzahlen ÜbersichtWie bereits erwähnt sind Bilanzkennzahlen alle Kennzahlen, die unmittelbar aus der Bilanz des Unternehmens hergeleitet werden können. Dementsprechend gibt es eine sehr große Menge an verschiedenen Bilanzkennziffern. Manche davon sind sehr aussagekräftig, manche weniger. Hier eine Auflistung für euch mit den gängigsten und wichtigsten Kennzahlen.

BilanzkennzifferBedeutung
AbschreibungsquoteVerhältnis von Abschreibungen zu Anlagevermögen
AnlagenintensitätAnteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen
UmlageintensitätAnteil des Umlaufvermögens am Gesamtvermögen
EigenkapitalquoteAnteil Eigenkapital am Gesamtkapital
FremdkapitalquoteAnteil Fremdkapital am Gesamtkapital
VerschuldungsgradVerhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital
Liquiditätsgrad 1Verhältnis liquide Mittel zu kurzfristigen Verbindlichkeiten
Liquiditätsgrad 2Verhältnis liquide Mittel und Forderungen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten
Liquiditätsgrad 3Verhältnis Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten

 

Anbei haben wir für euch noch eine beispielhafte Bilanz erstellt. Mit dieser könnt ihr euch schnell einen Überblick verschaffen. Als kleine Übung könnt ihr versuchen mithilfe der Bilanz die Kennziffern in horizontale und vertikale einzuteilen.

Interpretation von Bilanzkennziffern

Was kann man im Endeffekt mit den ganzen Bilanzkennzahlen, die man unter Umständen mühsam berechnet hat, anfangen?

Bilanzkennziffern sind eine gute Möglichkeit, um sich einen groben Überblick über die finanzielle Situation des Unternehmens zu verschaffen. Jedoch sollte man ihnen keine allzu große Bedeutung schenken, wenn man versucht ein Unternehmen zu bewerten. Dies liegt daran, dass es eine gigantische Menge anderer Faktoren gibt, die ein gutes Unternehmen ausmachen aber in keiner Bilanz auftauchen.



So sind beispielsweise das Image des Unternehmens, die Zufriedenheit der Mitarbeiter, das Geschäftsmodell, der Führungsstil, die Zukunftsaussichten etc. unter Umständen viel bedeutsamer als eine stumpfe Zahl auf einem Blatt Papier.

Wichtige BilanzkennzahlenAuch am Kapitalmarkt lässt sich regelmäßig beobachten, dass es eine Kunst für sich ist Unternehmen angemessen zu bewerten. So kommt es oft vor, dass die Bewertung von Unternehmen wie Netflix, Snapchat, Twitter etc. in keinem Verhältnis zu den Bilanzkennziffern oder GuV-Kennzahlen steht. Dies liegt daran, dass oben erwähnte Faktoren oder ähnliche viel stärker gewichtet werden als die momentane finanzielle Situation des Unternehmens auf Papier.

Wer also meint er könnte durch einen schnellen Blick auf die Bilanz eines Unternehmens dessen angemessenen Preis ermitteln, der liegt weit daneben. Bilanzkennziffern ermöglichen einen schnellen, groben Überblick, sollten aber unbedingt durch weitere Kriterien ergänzt werden.

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