Welche Gründe sind für die Entwicklung des CRM maßgeblich?
Die wesentlichen Gründe für die Entwicklung des CRM sind (vgl. Holland 2004, S. 182 ff.; Krumb 2002: Kundenbeziehungen erfolgreich managen: Ein Leitfaden für Unternehmen, Frankfurt, S. 13 f.):
Die veränderte Marktsituation
Dem Kunden wird durch das Internet die Informationsgewinnung und der Preisvergleich erleichtert. Der Markt ist demnach transparenter geworden. Der Wettbewerbsdruck zwischen den konkurrierenden Unternehmen nimmt stetig zu, während zugleich die Angebote austauschbarer werden. Es fehlt oftmals eine Unique Selling Proposition (USP) – ein Produktmerkmal, welches das Produkt von der Konkurrenz abhebt und den Konsumenten damit zum Kauf bewegen soll.
Die Produktqualität ist bereits zur Selbstverständlichkeit für den Kunden geworden, sodass eine Differenzierung kaum noch möglich ist. Mithilfe des CRM kann hier eine USP über eine individuelle Kundenbetreuung geschaffen werden, sodass die Beziehung zum Anbieter und die Qualität der Kundenbetreuung zum entscheidenden Erfolgsfaktor werden.
Verändertes Konsumentenverhalten und Informationsüberlastung
Das Informationsniveau des Kunden ist gestiegen. Er wird anspruchsvoller und will die beste Leistung zum niedrigsten Preis. Gleichzeitig leiden die Konsumenten unter einer wachsenden Kommunikationsüberlastung, da sie täglich mit einer Vielzahl von Informationen konfrontiert werden, sodass die Aufmerksamkeit nur sehr gering ist und sie kaum noch über klassische Kommunikationswege erreicht werden können.
Die Werbebotschaft muss daher auf die individuellen Interessen des Kunden ausgerichtet sein, damit hier eine Wirkung erzielt werden kann.
Kommunikationstechnologien
Aufgrund der rasanten Entwicklung der Technologie verwendet der Kunde die verschiedensten Vertriebs- und Kommunikationswege und entscheidet darüber, mit welchem Kommunikationskanal, beispielsweise per E-Mail, Internet, Telefon, Brief, persönlicher Kontakt, und zu welchem Zeitpunkt er den Anbieter kontaktieren möchte. Die traditionellen Vertriebswege, wie Außendienst und Filiale, werden so durch Direktversand, Call-Center und Internet ergänzt bzw. abgelöst.
Customer Relationship Management bedeutet, die Kunden zu kennen und diese Kenntnisse auch bei jedem Kontakt mit dem Kunden, ob im Außendienst, Call-Center oder per Mail, anzuwenden. So entsteht eine Atmosphäre des gegenseitigen Verstehens und Vertrauens. Bei einer überschaubaren Menge von Kunden ist dieses problemlos erreichbar.
Ein bekanntes Beispiel ist der „Tante-Emma-Laden“ vor ca. 50 Jahren. Der Verkäufer kennt seine Kunden mit Namen, deren soziales, familiäres und gesellschaftliches Umfeld und die individuellen Vorlieben und Verhaltensweisen. Auf dieser Basis wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, bei dem die Geschäftsfunktionen des Vertriebs, Marketings und Services in die Gestaltung des Kundenlebenszyklus eingebunden werden. Der Kunde empfindet die Aktivitäten des Kaufmanns als eine Bereicherung, da ihm Produkte angeboten werden, die auch in seinem Interessensgebiet liegen.
In einem „Tante-Emma-Laden-Umfeld“ kann ein Customer Relationship Management relativ leicht umgesetzt werden, da der Kaufmann nur eine überschaubare Menge von Kunden managen muss. Dabei hat er eine ganzheitliche Sicht auf den Kunden: Die Kundendatenbank hat er im Kopf und die Funktionen des Vertriebs, Marketings und Services verkörpert er in einer Person.
Um dieses Modell heute auf größere Unternehmen mit einer Vielzahl von Kunden anwenden zu können, wird eine System-Architektur benötigt, die für eine technologische Umsetzung sorgt. Hierbei müssen alle Anwendungen aus Marketing-, Vertriebs- und Servicebereich in einer IT-Systemlandschaft vereint werden.
Über Schnittstellen werden zusätzlich betriebswirtschaftliche Standardsoftware, wie z. B. ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning), angebunden. Dadurch, dass die einzelnen Insellösungen zusammengeführt werden und nur noch eine einzige Kundendatenbank vorliegt, auf die alle Unternehmensbereiche zugreifen können, wird eine ganzheitliche Sicht auf den Kunden und somit ein ganzheitlich, in sich stimmiger Dialog mit dem Kunden ermöglicht. Eine solche Architektur besteht aus drei Komponenten: das operative, das kommunikative und das analytische CRM (vgl. Hippner/Wilde 2002: CRM – Ein Überblick, in: Helmke/Uebel 2002, S. 13).