Was ist eine degressive Abschreibung?

Eine degressive Abschreibung ist eine fiktive Aufwendung, die den Wertverlust von abnutzbaren Gegenständen eines Unternehmens abbildet. Dabei fließt kein Geld, denn eine Abschreibung dient rein rechnerisch zur Ermittlung des Gewinns eines Unternehmens sowie der daraus resultierenden Steuerlast. Um die Abnutzung, bedingt durch Alterung, Innovationen oder Schäden an einem Wirtschaftsgut darzustellen, muss eine planmäßige Abschreibung vorgenommen werden.


Degressive Abschreibung HGBEine andere Bezeichnung für Abschreibung ist die Abkürzung AfA. Diese steht für Absetzung für Abnutzung von Wirtschaftsgütern und ist, nach § 253 HGB Zugangs- und Folgebewertung, in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Im Einkommensteuerrecht sind die rechtlichen Rahmenbedingungen dem § 7 EStG Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung zu entnehmen.

Lineare- vs. degressive Abschreibung

Die degressive Abschreibung dient, wie auch die lineare Abschreibung dazu, den Verschleiß von Potenzialfaktoren darzustellen und ermöglicht dem Unternehmen einen Finanzierungseffekt.

Bei der degressiven Abschreibung werden die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Anlagengutes, im Vergleich zur linearen Abschreibung, nicht in gleich bleibenden Beträgen vermindert, sondern durch einen, zum Zeitpunkt der Anschaffung festgelegten Prozentsatz, jährlich gesenkt.


Bei der linearen Abschreibung ergibt sich der jährlich stetige Abschreibungsbetrag über die Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes.

Wann ist eine degressive Abschreibung sinnvoll?

Gerade beim Kauf teurer Maschinen oder Kraftfahrzeugen bietet sich die degressive Abschreibung an, da solche Wirtschaftsgüter in den ersten Jahren äußerst stark an Wert verlieren. Die degressive Abschreibung hat den Vorteil, dass der Abschreibungsbetrag zu Anfang am höchsten ist.

Degressive Abschreibung erlaubtGenerell ist bei der Anwendung der degressiven Abschreibung, zwischen Steuer- und der Handelsbilanz zu unterscheiden. Anlagegüter, die ab dem 1. Januar 2011 angeschafft wurden dürfen gemäß § 7 EStG steuerlich nicht mehr degressiv abgeschrieben werden. Das Gesetz zur Durchführung wurde bis auf Weiteres ausgesetzt. Für Wirtschaftsgüter, die vor diesem Zeitpunkt angeschafft wurden, gelten je nach Anschaffungsjahr gesetzlich festgelegte, unterschiedliche Bestimmungen und Prozentsätze.

Im Vergleich zur Steuerbilanz, findet die degressive Abschreibung in der Handelsbilanz weiterhin, auch für neu angeschaffte Wirtschaftsgüter, Anwendung. Im Handelsrecht hat der Unternehmer ein Wahlrecht zwischen linearer und degressiver Abschreibung. Handelsrechtlich ist die degressive Abschreibung unter Einhaltung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung zulässig, wenn diese Abschreibungsmethode die Wertentwicklung des Vermögensgegenstandes zutreffender wiedergibt, als dies bei der Anwendung der linearen Abschreibung der Fall wäre.

Bei beiden Abschreibungsarten verringert sich der sogenannte Buchwert, beziehungsweise Restwert des Anlagegutes.

Formeln zur Berechnung der degressiven Abschreibung

Zum rechnerischen Umgang mit der degressiven Abschreibung, gibt es zwei Formeln. Eine ist selbsterklärend, wohingegen die andere etwas komplizierter ist.

Mithilfe der ersten Formel kann der Abschreibungsbetrag einer Periode berechnet werden, wenn der abzuschreibende Prozentsatz gegeben ist.

Degressive Abschreibung Formel

At ist dabei der Abschreibungsbetrag in der Periode t, Rt-1 der Restbuchwert in der Periode t-1 und p ist der abzuschreibende Prozentsatz bzw. die Abschreibungsquote.

Die zweite Formel dient dazu die Abschreibungsquote auszurechnen, soweit der Anschaffungswert, der Restwert und die Nutzungsdauer bekannt sind.

Degressive Abschreibung Formel

K0 ist dabei der Anschaffungswert, Kt der Restwert und n die Nutzungsdauer.

Zu beiden Formeln findet ihr weiter unten ein Beispiel.

Nutzungsdauer bei der degressiven Abschreibung

Degressive Abschreibung SteuerrechtUm die voraussichtliche Nutzungsdauer eines Vermögensgegenstandes schätzen zu können, dienen die AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums als Hilfsmittel. Neben den allgemeinen Abschreibungstabellen existieren noch branchenspezifische Tabellen zur Bewertung. Grundsätzlich finden die AfA-Listen bei der degressiven Abschreibung ebenfalls Anwendung, jedoch kann sich durch das Rechnen mit Prozentsätzen eine andere Nutzungsdauer ergeben. Der Prozentsatz wird bei der Anschaffung des Wirtschaftsgutes festgelegt und richtet sich nach dem tatsächlichen Wertverlust im Anschaffungsjahr.

Sonderabschreibung und Erinnerungswert

Die degressive Abschreibung erreicht niemals einen Buchwert von 0 €. Der Wert geht gegen 0, erreicht diese aber nicht. Daher muss ein geringer Restwert irgendwann manuell ausgebucht werden. In der Praxis ist es durchaus möglich und auch gängig, nach einer bestimmten Nutzungsdauer, von der degressiven Abschreibung in die lineare Abschreibung zu wechseln. Dazu wird errechnet, ab welchem Zeitpunkt der lineare Abschreibungsbetrag den degressiven übersteigt. Umgekehrt ist ein Methodenwechsel allerdings nicht möglich. Hat der Unternehmer sich bei einem bestimmten Anlagegut für die lineare Abschreibung entschieden, so muss er diese bis zum Ende der Nutzungsdauer anwenden.

Eine Sonderabschreibung durch extremen Verschleiß, Verlust oder Defekt ist jedoch bei beiden Abschreibungsarten möglich. Im ersten Fall und bei weiterer Nutzung, wird das bewegliche Wirtschaftsgut bis auf einen Erinnerungswert von 1 € abgeschrieben.

Verlässt das Wirtschaftsgut das Unternehmen oder hat es tatsächlich keinen Restwert mehr, so wird auch dieser Wert von einem Euro ausgebucht und der Gegenstand ist im Anlagenspiegel, auch Anlagenverzeichnis genannt, nicht mehr vorhanden.

Degressive Abschreibung 2018Egal ob die lineare oder die degressive Abschreibung im Unternehmen in der Handelsbilanz Anwendung findet, am Ende der Nutzungsdauer ist das Wirtschaftsgut in jedem Fall mit einem Erinnerungswert von 1 € im Anlagenverzeichnis weiter zu führen, solange dieses im Unternehmen verbleibt. Denn eine Maschine kann beispielsweise weiterhin produzieren und auch ein Auto weiterhin fahren, obwohl beide Gegenstände rechnerisch abgeschrieben sind. Dabei sagt der Erinnerungswert nichts über den tatsächlichen Wert des Gegenstandes aus. So kann ein abgeschriebener Schreibtischstuhl im Falle einer Veräußerung durchaus einen Buchgewinn erzielen.

Die degressive Abschreibung als Konjunkturhelfer

Wie bereits erwähnt, ist die degressive Abschreibung steuerrechtlich seit dem 01.01.2011 außer Kraft gesetzt. Ganz bewusst wurde diese Abschreibungsform nicht komplett aus dem Steuerrecht entfernt. Denn zum richtigen Zeitpunkt von den Finanzbehörden eingesetzt, kann diese Abschreibungsform Einfluss auf das Wachstum der Wirtschaft haben.

Degressive Abschreibung abgeschafft Gerade in schwierigen Zeiten, wie im Jahre 2008 während der globalen Finanzund Wirtschaftskrise, wurde die degressive Abschreibung gerne genutzt, um Investoren anzulocken und die Wirtschaft anzukurbeln. Denn teure Investitionen können mithilfe dieses Instrumentes innerhalb kürzester Zeit mit hohen Summen an Steuerersparnis aufgerechnet werden. Der sogenannte Return on Investment kann auf diese Weise erhöht werden. Gleichzeitig wird eine wichtige Unternehmenskennzahl, die Liquidität, verbessert.

Wann darf außerplanmäßig abgeschrieben werden? 

Handelsrechtlich müssen gemäß § 253 Abs. 3 Satz 5 & 6 HGB Vermögensgegenstände des Anlagevermögens bei voraussichtlich dauerhafter Wertminderung außerplanmäßig abgeschrieben werden. Eine Abschreibung bei voraussichtlich nicht dauerhafter Wertminderung ist verboten, außer bei Finanzanlagen.

Steuerrechtlich besteht gemäß § 6 Abs. 1 Satz 2 EStG bei voraussichtlich dauerhafter Wertminderung des abnutzbaren Wertgegenstandes ein Wahlrecht. Ist die Wertminderung voraussichtlich nicht dauerhaft, ist eine Abschreibung — egal nach welcher Methode — stets verboten.

Nachträgliche Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Wird ein beweglicher Vermögensgegenstand zu einem späteren Zeitpunkt, als der Anschaffung, beispielsweise durch Einbauten, Veredelung oder technische Aufrüstung in seinem Wert gesteigert, so sind die Restnutzungsdauer und der neu geschätzte Wert in der Bilanz entsprechend anzupassen.


Beispiele

Beispiel 1:

Degressive Abschreibung BeispielDie Maschinenbau AG kauft zum 01.01.2019 eine neue Maschine zur Optimierung der Fertigung. Die Maschine wird mit einem Wert von 200.000 € in der Bilanz angesetzt. Es wird davon ausgegangen, dass die Maschine nach 5 Jahren Nutzung für einen Schrottwert von 20.000 € weiterverkauft werden kann. Das Unternehmen möchte handelsrechtlich gerne die degressive Abschreibung verwenden.

Mit welchem jährlichen Prozentsatz muss das Unternehmen die Maschine abschreiben? Wie sieht der Abschreibungsplan aus? 

Zunächst berechnen wir die Abschreibungsquote für die degressive Abschreibung mit der weiter oben angegebenen Formel. Sobald wir die Werte einsetzen erhalten wir p = 1 – (20.000/200.000)^1/5 = 0,3690 = 36,9 %. Der Buchwert muss sich also jährlich um 36,9 % verringern. Mit diesem Wissen können wir nun den Abschreibungsplan erstellen.

 20192020202120222023
Buchwert zum 01.01. (in €)200.000126.20079.63250.24831.706
Abschreibungsbetrag (in €)73.80046.56829.38418.54211.700
Buchwert zum 31.12. (in €)126.20079.63250.24831.70620.006

Die Abschreibungsbeträge erhalten wir mit der ersten weiter oben vorgestellten Formel. Für 2019 gilt z. B. 73.800 = 200.000 * 0,369. Der Restwert beträgt zum Ende des 5. Jahres 20.006 € statt 20.000 €, da wir stets auf ganze Zahlen gerundet haben.

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