Was ist die direkte Produktrentabilität (DPR)?

Die direkte Produktrentabilität (DPR) weist als relative Größe den Direkten Produkt-Profit eines Artikels in Prozenten des im durchschnittlichen Lagerbestand dieses Artikels gebundenen Kapitals aus. Der Kern der vor allem in der Nahrungsmittelwirtschaft von Handel und Industrie seit einigen Jahren intensiv diskutierten DPR-Rechnung ist hingegen der Direkte Produkt-Profit (DPP), das heißt der im Handelsunternehmen anfallende Deckungsbeitrag des einzelnen Artikels.

Die direkte Produktrentabilität errechnet sich als Produkt aus Umsatz-Profitabilität und Lagerumschlagshäufigkeit mithilfe folgender Formel:

DPR =  (DPP * 100) : Umsatz zu Einkaufspreis) * (Umsatz zu Einkaufspreis) : (durchschnittlicher Lagerbestand zu Einkaufspreis)

Grundkonzept des DHI-DPR-Modells

Das Deutsche Handelsinstitut (DHI) ging bei der Modellerstellung in zwei Phasen, der Erhebungs- und der Entwicklungsphase, vor.

Zunächst wurden in der Erhebungsphase die Distributionskosten im Groß- und Einzelhandel näher analysiert.  Den teilnehmenden Unternehmen wurden zwecks Beurteilung der eigenen Wettbewerbsposition bei der Gestaltung der Distributionsprozesse die ermittelten Werte zur Verfügung gestellt. Daher führte bereits die Erhebungsphase zu einer stärkeren Kostensensibilisierung und wurde überdies zu einer Art Benchmarking für die Distributionsprozesse.

Im Anschluss an die Erhebungsphase wurde ab 1988 in der Entwicklungsphase damit begonnen, die gewonnenen Daten sehr genau sehr genau zu analysieren und eine EDV-technische Umsetzung zu entwickeln. Da sich die Handelsspanne sehr einfach entwickeln ließ, stellte vor allem die Identifizierung der Direkten-Produkt-Kosten den wichtigsten Entwicklungsschritt dar. Zu diesem Zweck sind innerhalb des Modells fünf Stufen vorgesehen.

  • Stufe 1: Prozessidentifikation
  • Stufe 2: Prozesskostenermittlung
  • Stufe 3: Kosteneinflussanalyse (Handelsbasisdaten)
  • Stufe 4: Artikelbezogene Mengenanalyse
  • Stufe 5: DKP- und DKR-Berechnung

Die Direkten Produkt-Kosten lassen sich als so genannte Handlungskosten interpretieren. Zu ihrer Ermittlung sind zunächst die wichtigsten Distributions- bzw. Handlungsprozesse zu identifizieren (Stufe 1). Anschließend werden diesen Prozessen möglichst verursachungsgerecht die entstehenden Personal-, Raum-, Geräte-, Einrichtungs- und Kapitalkosten zugeordnet (Stufe 2). In den nächsten beiden Stufen 3 und 4 werden prozessspezifische Kosteneinflussgrößen (cost driver) bestimmt und artikelspezifische Informationen ermittelt, anhand derer dann quasi ein Mengengerüst zur Bestimmung der Direkten Produkt-Kosten vorliegt. In Stufe 5 erfolgt schließlich die Ermittlung der DPK und daran anschließend der DPR.

Welche Anwendungsfelder bietet das DPR-Konzept in der Praxis?

Heute werden das DPR-Konzept sowie die darauf aufbauenden Instrumente in der Praxis relativ häufig eingesetzt. Es eignet sich besonders für standardisierte Artikel, die einer hohen Umschlagshäufigkeit sowie einer ausreichend stabilen und nur geringfügig saisonal bedingten Nachfrage unterliegen. Eingesetzt wird das DPR-Konzept im deutschen Handel insbesondere für

  • die Analyse der innerbetrieblichen Kostenstruktur,
  • die Sortimentsgestaltung,
  • die Preisgestaltung,
  • die Regalplatzoptimierung und
  • die Festlegung logistischer Bezugsvarianten.

Sinnvoll einsetzen lässt sich das DPR-Konzept aber auch von Produktherstellern. Hier lässt es sich vor allem als Basis für Vertriebsgespräche und zur Gestaltung der Verpackungsmodule und Ladeeinheiten einsetzen. Ferner lässt sich die DPR-Bestimmung in Abstimmung zwischen Hersteller und Handel im Rahmen neuerer logistischer Konzepte zur Gestaltung der gesamten Logistikkette verwenden (Supply Chain Management).

Wie wird die direkte Produktrentabilität beurteilt?

Ob ein Unternehmen ein Berechnungstool wie das DHI-DPR-Modell nutzen sollte, hängt neben kostenrechnerischen Aspekten auch vom Aufwand zur Einführung und des Unterhalts ab. Zu berücksichtigen sind hier die Kosten für eine entsprechende Software und vor allem für die umfangreichen, meist kostenintensiven Datenermittlungen. Zwar lässt sich das zuletzt genannte Problem durch die Nutzung der DHI-Handelsbasisdaten reduzieren, solche Daten stellen aber nur Durchschnittswerte dar, die zu ungenauen DPR-Werten führen können.

Auch die Einführung des DPR-Modells ist mit erhöhten Personalkosten verbunden. Zum einen müssen die Mitarbeiter mit dem DPR-Modell vertraut gemacht werden (Weiterbildungskosten), zum anderen ist nicht selten der Einsatz zusätzlicher (externer) Berater notwendig. Nicht zuletzt ist zu berücksichtigen, dass es bei einer organisatorischen Neugestaltung leicht zu Konflikten kommen kann.

Das Wichtigste zur direkten Produkt-Rentabilität in Kürze

Das DPR-Konzept ist trotz seiner Schwachpunkte ein hilfreiches Instrument zur Optimierung distributionslogistischer Entscheidungen des Handels, welches in der Regel der Handelsspanne als Entscheidungskriterium überlegen ist. Daher sollte die DPR zumindest bei wichtigen Entscheidungen, wie etwa der Sortimentsgestaltung oder der Regalplatznutzung, als eines von mehreren Kriterien verwendet werden. Fehleinschätzungen, die beim Verzicht auf die Einbeziehung der DPK entstehen, lassen sich hierdurch vermeiden.

Anwender des DPR-Konzeptes sollten sich jedoch seiner skizzierten Nachteile bewusst sein. Ein automatisches Anwenden führt unter Umständen zu fehlerhaften Ergebnissen, die vor allem aus den  kostenrechnerischen Schwachpunkten resultieren.