Was ist Standardisierung?

Standardisierung ist die Vereinheitlichung von Merkmalen und Merkmalswerten (z. B. Abmessung, Form, Farbe, Qualität, Bezeichnung) von Objekten irgendwelcher Art zum Zwecke der Rationalisierung.

Standardisierung DefinitionStandardisierung kann auf Unternehmensebene, innerhalb einer Branche, einer Volkswirtschaft, einer Region (z. B. Europa) oder auf weltweiter Ebene erfolgen. Soweit Standards überbetriebliche Geltung oder gar Verbindlichkeit haben, heißen sie Normen. Unter dem Verbandszeichen DIN (Deutsches Institut für Normung e. V.) werden die Deutschen Normen herausgegeben.

Um in einem Unternehmen durch Standardisierung Rationalisierungseffekte zu erzeugen, sind gezielte Anstrengungen notwendig.

Beispiele:

  • Normen für die Größe von Papier: DIN 476 Papierformat (z. B. DIN A4, DIN A5)
  • Normen für Einheiten: DIN 1301 SI-System (z. B. Sekunde: s, Meter: m, Ampere: A)
  • Normen für die Gestaltung für die Text- und Informationsverarbeitung: DIN 5008 (z. B. Anrede, Datum)

Was sind Ursachen für fehlende Standardisierung?

Ursachen für eine hohe Teile- und Variantenvielfalt und damit Komplexität können sein:

  • Der Wunsch, auf spezifische Kundenwünsche einzugehen und auch Nischenmärkte mit einer Nischenstrategie zu erschließen, führt häufig zur Erarbeitung von Produktvarianten und spezifischen Teilen.
  • Soweit ein Serienprodukt in zahlreiche Länder exportiert wird, erfordern die Gesetze der Zielländer oftmals die Entwicklung landesspezifischer Varianten.
  • Zeitdruck und mangelnde Sorgfalt in der Entwicklung von Serienprodukten können zu Produktmängeln führen, die nach Markteinführung durch konstruktive Änderungen behoben werden müssen. Sowohl die alten, mängelbehafteten als auch die korrigierten Teile und Komponenten müssen aber über den gesamten Lebenszyklus des Produktes hinweg verwaltet werden (Ersatzteile).
  • Serienprodukte werden gerade auf dynamischen Märkten häufig an die technische Entwicklung, an veränderte Kundenwünsche sowie an Wettbewerbsprodukte angepasst. Diese Produktpflege erhöht die Zahl zu verwaltender Teile, insbesondere zur Ersatzteilversorgung.
  • Bei der kundenindividuellen Fertigung komplexer Anlagegüter unterscheiden sich die Anlagen aufgrund kundenspezifischer Besonderheiten. Da jeder Kundenauftrag die Möglichkeit zu einer Verbesserung des konstruktiven Entwurfs bietet, erwachsen auch aus einer kontinuierlichen Produktpflege und Verbesserung ständig neue Teile und Komponenten, die alle über die Verwendungsdauer der jeweiligen Anlage beim Kunden (oftmals über 20 Jahre) verwaltet werden müssen. Hieraus entsteht oft eine riesige Teilevielfalt, die kaum mehr zu beherrschen ist.
  • Bei der Wahl zwischen der Verwendung fremdbezogener Standardkomponenten und der Entwicklung herstellerspezifischer Eigenfertigungsteile werden die Vorteile der Eigenentwicklung (Abhebung von der Konkurrenz, qualitative Eignung, zeitliche Verfügbarkeit, Internalisierung der Lieferantengewinne und Kontrolle über den Entwicklungs- und Fertigungsprozess) oft überschätzt – mit der Konsequenz einer wachsenden Zahl von Eigenfertigungsteilen.
  • Forderungen des Marktes und der Öffentlichkeit – z. B. nach umweltgerechten Produkten und Fertigungsprozessen – können zum Einsatz neuer Materialien und Fertigungstechnologien und damit zu einem Wachstum der Teilevielfalt führen.
  • Für gekaufte bzw. selbst erstellte Produkte werden keine Preis- bzw. Wertanalysen durchgeführt.
  • Entwicklungsabteilungen oder einzelne Entwickler sehen es gelegentlich als einen Sieg über konkurrierende Entwürfe oder als eine Form der Selbstverwirklichung an, wenn ihr Entwurf in der Serie realisiert wird. Aus einer solchen Einstellung können objektiv unnötige Änderungen an bestehenden Teilen und damit die Komplexitätskosten ansteigen lassen, ohne dass dem ein hinreichender Nutzen gegenübersteht.
  • Der Einsatz von Teilesuchsystemen, z. B. Sachmerkmalleisten in CAD- oder PPS-Systemen wird in vielen Betrieben in der Konstruktion heute noch unzureichend zur Reduzierung der Teilevielfalt genutzt.

Was sind Vorteile der Standardisierung?

Die Vorteile der Standardisierung ergeben sich unmittelbar aus den Nachteilen einer hoher Teilevielfalt und Komplexität:

  • Vereinfachung der Konstruktion und Verringerung des Konstruktionsaufwandes durch Mehrfachverwendung standardisierter konstruktiver Entwürfe.
  • Klare und effiziente Kommunikation innerhalb des Unternehmens und gegenüber Lieferanten und Kunden durch Bezugnahme auf bekannte Standards und Normen.
  • Höhere Stückzahlen und damit Erfahrungskurveneffekte, höhere Losgrößen und geringere Rüstkostenanteile, ggf. kürzere Durchlauf- und Bearbeitungszeiten durch Massenproduktion.
  • Günstigere Beschaffungskosten durch Konzentration des Materialbedarfs auf weniger Bedarfspositionen und Lieferanten; Schaffung der kritischen Masse für eine effiziente Beschaffungslogistik (Just in time, elektronischer Datenaustausch).
  • Geringere Werkzeugbeschaffungs- und Wartungskosten.
  • Verringerung der Lagerbestände aufgrund einer geringeren Anzahl Lagerpositionen und eines höheren Lagerumschlags.
  • Vereinfachung des Wareneinganges, insbesondere der Wareneingangsprüfung, da allgemein bekannte und gültige Eigenschaften der Artikel gegeben sind und deshalb auch die Prüfgeräte standardisiert werden können.
  • Vereinfachung der Warenverteilung durch Standardisierung der Transportmittel (Behälter, Transportfahrzeuge) für die Normungsteile.
  • Vereinfachungen in der Ablauforganisation und in der produktionsbezogenen Verwaltung.
  • Erleichterung der Ersatzteilversorgung und der Instandhaltung.

Trotz aller Vorteile ist eine zu frühzeitige oder zu weitgehende Standardisierung nicht wünschenswert. Diese legt zu früh Gestaltungsmerkmale fest und behindert daher naturgemäß eine nachfolgende technische Veränderung und Weiterentwicklung des Standardisierungsobjekts.

Zumindest gilt dies für die Zeit bis zur Überarbeitung des Standards. Technische Entwicklungen, die noch nicht ausgereift sind und noch konzeptionellen Änderungen unterliegen, eignen sich daher schlecht zur Standardisierung.

Was sind Nachteile der Standardisierung?

Eine hohe Komplexität und Teilevielfalt hat zahlreiche Nachteile, die an dieser Stelle nicht erschöpfend erörtert werden können.

Sie lassen sich aber erahnen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es unter solchen Bedingungen sehr schwierig ist, für einen konkreten Bedarfsfall in der Beschaffung oder in der Konstruktion früher verwendete Teile und Konstruktionsentwürfe wiederzufinden. Allzu leicht wird ein Teil dann ein zweites Mal erfunden oder es wird – bei Kaufteilen – ein zweiter oder gar dritter Stammsatz angelegt. Hierdurch wird es noch schwieriger, die Übersicht über die Teilevielfalt und die Bedarfsstruktur zu behalten.

Wie lässt sich eine zu hohe Variantenvielfalt vermeiden?

Zur Vermeidung einer ausufernden Teile- und Variantenvielfalt ist die Schaffung einer Normenstelle im Unternehmen unerlässlich. Diese Stelle sollte als Planungs-, Steuerungs- und Kontrollgremium dienen. Die Normenstelle sollte z. B. die folgenden Aufgaben erfüllen:

  • Aufbau und Pflege des klassifizierenden und/oder identifizierenden Nummernsystems sowie der Sachmerkmalleisten
  • Aufbau eines Normenhandbuches
  • Erstellung eines Leitfadens für die Zusammenarbeit mit externen Konstruktionsbüros
  • Aufstellung technischer Konstruktionspflichtenhefte
  • Fertigungsgerechte Auftragserfassung (Ausschluss unzulässiger Varianten) in Zusammenarbeit mit dem Vertrieb

Das Wichtigste zur Standardisierung in Kürze

Standardisierung ist die Vereinheitlichung von Merkmalen und Merkmalswerten von Objekten irgendwelcher Art zum Zwecke der Rationalisierung. Standardisierung kann auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen.

Standardisierung in Unternehmen reduziert die Teilevielfalt und Variantenzahl, die eine hohe Komplexität verursachen. Die Gründe für diese Komplexität liegen vor allem darin, dass spezielle Kundenwünsche durch neue Varianten erfüllt werden ohne zu prüfen, ob bestehende Teile und Baugruppen diese Funktionen auch erfüllen können.

Der Rationalisierungseffekt der Standardisierung liegt in der Kostensenkung durch Vereinfachung der Konstruktion, höhere Stückzahlen, geringere Lagerbestände und der Vereinfachung der Kommunikation, Organisation und Verwaltung.

Proprietäre Standards werden von Marktführern gesetzt und können auch nachteilige Auswirkungen haben, falls es dadurch gelingt die marktbeherrschende Stellung auszubauen.

Beispiele

Beispiel 1:

Die faktische Setzung eines Standards für Personal Computer durch IBM zu Beginn der 1980er Jahre hat die Basis für ein dynamisches Wachstum des Mikro-Computermarktes geschaffen, obwohl der gesetzte Standard deutlich hinter den technischen Möglichkeiten der Zeit zurückblieb.

Die hohe Zahl der gleichartigen PC-Installationen, die durch das Engagement von IBM in diesem Marktsegment erreicht wurde, schuf für viele Entwickler von kompatibler Software und Hardware einen großen potenziellen Markt, wodurch entsprechende Investitionen in derartige Entwicklungen wirtschaftlich möglich wurden.

Durch die Vielzahl angebotener komplementärer Produkte wurde der Personal Computer nun für nahezu jeden zugänglich und die Anwendungsmöglichkeiten dehnten sich enorm aus.

Dies erweiterte abermals den potenziellen Markt für Personal Computer und kompatible Produkte und beschleunigte das Wachstum. Bezeichnend für diese Entwicklung ist, dass der Begriff der Kompatibilität zum Standard in dieser Zeit in den allgemeinen Sprachgebrauch eingedrungen ist. Diese Entwicklung war aber nur möglich, weil ein latenter Bedarf für den dezentralen Einsatz von Computern bereits vorhanden war und die Datenverarbeitungstechnologie in der Industrie bereits verankert war – der Markt war somit reif für die Setzung eines Standards.

Dieses Beispiel eignet sich aber auch, um die Nachteile der Standardisierung deutlich zu machen, insbesondere, wenn es sich um einen proprietären – d. h. durch einen privatwirtschaftlichen Marktführer gesetzten – Standard handelt. Dadurch, dass die Technologie des ersten PC so große Verbreitung gefunden hatte, hat es sehr lange gedauert, bis der Markt zur Aufnahme einer neuen PC-Generation bereit war.

Aufgaben

  1. Worin erkennt man einen Unterschied zwischen Standardisierung, Typung und Normung?
  2. Was sind die wesentlichen betriebswirtschaftlichen Vorteile, die durch Standardisierung erlangt werden können?
  1. Der generelle Begriff der Standardisierung bezeichnet alle Anstrengungen zur Vereinheitlichung von Objekten jeglicher Art. Bei der Typung geht es um die Vereinheitlichung von Produkten. Normung betrifft ein systematisches und formales Vorgehen der Standardisierung. Hierbei sind insbesondere Normungsgremien und Organisationen auf betrieblicher, nationaler und internationaler Ebene angesprochen (DIN, ISO usw.).
  2. Standardisierung führt zu einer Reduzierung der Objektvielfalt und erlaubt es daher in vielen Bereichen effizienter zu arbeiten: geringere Bestände, weniger Aufwand in der Entwicklung, effizientere Ersatzteilversorgung, günstigere Produktion und günstiger Einkauf durch höhere Volumina.

Literaturhinweise

  1. Hartlieb, Bernd/Hövel, Albert/Krüger, Michael/Müller, Norbert (2016): Normung und Standardisierung: Grundlagen, 2. vollständig überarbeitete Auflag, 2016