Was ist Unternehmenspolitik?

Unternehmenspolitik ist „die Auseinandersetzung mit den Wertvorstellungen und Interessen aller an der Unternehmung beteiligten oder von ihren Handlungen betroffenen Gruppen“ (Ulrich, Peter und Fluri, Edgar: Management: eine konzentrierte Einführung, 7. Aufl., Bern/Stuttgart 1995, S. 77).

Handlungen, die die Wertvorstellungen, Bedürfnisse und Interessen einer größeren Anzahl von Menschen und damit die Ordnung des Zusammenlebens dieser Menschen betreffen, werden als politisch bezeichnet. In der Politik geht es immer um einen Ausgleich von Interessen bzw. ein Machtspiel um bestimmte Ziele.

Welche Aufgabe hat die Unternehmenspolitik?

Zentrale Aufgabe der Unternehmenspolitik ist die Harmonisierung intern verfolgter Ziele und externer Interessen an einem Unternehmen:

  • Intern hat die Unternehmenspolitik die Aufgabe, die Vision der Unternehmensleitung auszudrücken, damit alle Mitarbeiter an einem Strick und gemeinsam in eine Richtung ziehen.
  • Extern regelt die Unternehmenspolitik die Handlungsgrundsätze, die für den Umgang mit den Anspruchsgruppen gelten.

Die Funktion der Unternehmenspolitik können wir am besten verstehen, wenn wir uns die grundsätzlichen Kennzeichen eines Unternehmens vergegenwärtigen. Eine Unternehmung lässt sich als ein zweckorientiertes, offenes, dynamisches und sozio-kulturelles System beschreiben:

  • System, da die Unternehmung aus diversen Teilen besteht, weil diese Teile zu einem bestimmten Aufbau vernetzt sind und weil die Unternehmung als Ganzes mehr als die Summe ihrer Teile ist. Das Mehr resultiert aus der Struktur, der Organisation und dem Netz der Wechselwirkungen (Vester, F.: Neuland des Denkens: vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter, 9. Aufl., München 1995, S.17ff.).
  • Zweckorientiert, weil das System Unternehmung nicht von einem Selbstzweck geleitet wird, sondern eine Aufgabe für die Gesellschaft erfüllt. Sie stiftet für die betroffenen Anspruchsgruppen einen Nutzen.
  • Offen, weil die Unternehmung sich im Wirkungsfeld unterschiedlicher Stakeholder und Umweltsphären befindet, die den Erfolg oder Misserfolg einer Unternehmung entscheidend bestimmen.
  • Dynamisch, da das System Unternehmung einem konstanten Wandel ausgesetzt ist und das Programm zu ihrer eigenen Veränderung in sich trägt.
  • Sozio-kulturell, weil das System Unternehmen von Menschen geschaffen ist, von Menschen geprägt wird und die Menschen umgekehrt beeinflusst.

Unternehmenspolitik einfach erklärtDie verschiedenartige Verflechtung von unternehmerischen Interessen sowie Anliegen interner und externer Stakeholder macht es erforderlich, dass das System Unternehmen sich darüber im Klaren ist, welche Hauptfunktion es in seinem Umfeld erfüllen will und wie es sich zu den verschiedenen Stakeholdern positioniert. Als Dokument resultiert aus diesen Überlegungen die Unternehmenspolitik bzw. deren Kurzfassung, das Unternehmensleitbild.

Welche Anforderungen werden an die Unternehmenspolitik gestellt?

Die Unternehmenspolitik soll die grundsätzlichen Weichen für die langfristige Unternehmensentwicklung in der Zukunft stellen. Damit sie dieses Ziel erreichen kann, muss sie folgende Anforderungen erfüllen (vgl. Bleicher, K.: Das Konzept Integriertes Management, 4. Aufl., Frankfurt am Main/New York 1999, S. 267-268):

  • Allgemeingültigkeit: Unternehmenspolitische Grundsätze dürfen keinesfalls nur auf Einzelfälle oder konkrete Teilbereiche abzielen, sondern sollen als Entscheidungsregeln in unterschiedlichen Situationen Anwendung finden.
  • Klarheit: Trotzdem sollen sie so klar sein, dass sie keine Missverständnisse aufkommen lassen. Motto: So allgemein wie nötig und so klar wie möglich!
  • Wesentlichkeit: Unternehmenspolitische Grundsätze konzentrieren sich ausschließlich auf den Kern des Unternehmenszwecks und verlieren sich nicht in Unwichtigkeiten.
  • Langfristige Gültigkeit: Sie sind auf längere Sicht hinaus festgelegt.
  • Vollständigkeit: Diese Anforderungen umfassen die anzustrebenden Ziele, die zweckentsprechenden Leistungskräfte und die dafür notwendigen Aktionen.
  • Konsistenz: Sie sind widerspruchsfrei.
  • Realisierbarkeit: Sie sollen realistisch und somit auch motivierend sein.
  • Wahrheit: Sie spiegeln die wahren Absichten und Meinungen der Geschäftsleitung.

Was sind mögliche Elemente der Unternehmenspolitik?

Bleicher (Management, 1999, S. 161-178) nennt vier Kriterien zur Beurteilung der Werte, die hinter Unternehmenspolitik und Unternehmenskultur stecken:

  • Zielausrichtung auf Stakeholder: Richtet das Unternehmen seine Aktivitäten in kurzfristiger Sichtweise nur auf den Nutzen der Shareholder aus? Oder verfolgt es einen langfristigen Stakeholder-Ansatz, der Nutzen für die wichtigsten gesellschaftlichen Anspruchsgruppen schaffen will und oft auch die langfristigen Interessen der Shareholder am besten berücksichtigt?
  • Entwicklungsorientierung: Vertraut das Unternehmen bei der Entwicklungsplanung auf scheinbar sichere konventionelle Wege, indem es Störungen und Risiken zu verhindern sucht? Oder verfolgt das Unternehmen eine avantgardistische Politik, die künftige Trends  und Risiken als Möglichkeiten/Chancen ansieht, die wahrgenommen werden sollen?
  • Ökonomische Zielausrichtung: Stellt sich das Unternehmen ehrgeizige Leistungs- und Finanzziele? Nutzt es aktiv Chancen auf den Güter- und Finanzmärkten? Oder richtet es seine Leistungs- und Finanzziele nur am Durchschnitt der Wettbewerber aus (muddling through)?
  • Gesellschaftliche Zielausrichtung: Stellt es sich ehrgeizige soziale und ökologische Ziele (gesellschaftliche Verantwortungspolitik)? Oder hält es nur die gesetzlichen Mindestvorschriften ein (gesellschaftliche Vermeidungspolitik)?

Je nach Beantwortung dieser Fragen können wir auf einen eher opportunistischen oder einen eher verpflichteten Typ der Unternehmenspolitik schließen.

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