Was versteht man unter Kostenvergleichsrechnung?

Die Kostenvergleichsrechnung ist ein Verfahren der statischen Investitionsrechnung, mit dem verschiedene Investitionsprojekte schnell und leicht miteinander verglichen werden können. Das genutzte Entscheidungskriterium sind in diesem Fall die Kosten der Investitionsprojekte.


Kostenvergleichsrechnung AufgabenUnter Kosten versteht man den bewerteten, betriebsbezogenen Ressourcenverzehr, der dem jeweiligen Projekt zugerechnet werden kann. Wichtig zu erwähnen ist es, dass entsprechend dem hier angesetzten Kostenbegriff nur pagatorische Kosten berücksichtigt werden — nicht pagatorische Kosten, wie beispielsweise Opportunitätskosten, fließen nicht in die Entscheidung ein.

Beim Vergleich mehrerer alternativer Investitionen ist also immer diejenige mit den geringsten Kosten zu wählen.

Weitere Verfahren der statischen Investitionsrechnung sind die Gewinnvergleichsrechnung, die Amortisationsrechnung und die Rentabilitätsrechnung.


Voraussetzungen der Durchführbarkeit einer Kostenvergleichsrechnung

Die Kostenvergleichsrechnung ist ein Verfahren der statischen Investitionsrechnung. Bei ihrer Durchführung ist sie somit an gewisse Annahmen gebunden, die wir im folgenden Abschnitt näher erläutern möchten.

Wie man bereits am Namen vermuten könnte, sind statische Verfahren zeitpunktbezogen, wohingegen dynamische Verfahren einen zeitlichen Ablauf berücksichtigen.

Kostenvergleichsrechnung SchemaHieraus lässt sich schließen, dass der wesentliche Unterschied zwischen statischen und dynamischen Verfahren in einer Berücksichtigung der Zeitpräferenz besteht. Grob gesagt meint dies, dass es aufgrund von Zinsen einen wichtigen Unterschied macht ob man beispielsweise 10.000 € heute oder erst in drei Jahren erhält. Es ist besser Geld früher als später zu erhalten.

Bei der Kostenvergleichsrechnung und allen anderen statischen Verfahren ist dies egal. Statische Investitionsverfahren rechnen mit Kosten (z.B. auch nicht zahlungswirksame Rückstellungen), wohingegen dynamische Verfahren nur mit echten Zahlungsströmen rechnen. Aus dieser Überlegung ergeben sich nun folgende Voraussetzungen für die korrekte Anwendung der Kostenvergleichsrechnung.

  • Alle verglichenen Investitionsprojekte müssen identische Nutzungsdauern,
  • identische Erträge,
  • und über alle Perioden konstante Kosten aufweisen.

Mit dem letzten Aspekt ist gemeint, dass stets Durchschnittskosten verwendet werden. Periodische Schwankungen werden ignoriert. So könnten beispielsweise die Wartungskosten für eine Maschine in einer Periode 1.000 € und in der nächsten 2.000 € betragen — rechnen würde man hier mit dem Durchschnittswert von 1.500 €.

Obendrein ist es sehr wichtig, dass Kosten den verschiedenen Projekten korrekt zugerechnet werden können. In der Praxis ist es beispielsweise oft schwierig zu sagen wie viele Kosten durch ein bestimmtes Produkt entstehen. Dies liegt häufig an komplizierten Verarbeitungsprozessen mit sehr vielen Prozessschritten, woraus eine problematische Verrechnung von Gemeinkosten resultiert.

Anwendung und Nutzung der Kostenvergleichsrechnung

Die Anwendung der Kostenvergleichsrechnung ist denkbar einfach. Nachdem ihr unser Beispiel durchgearbeitet habt, solltet ihr den Dreh raus haben und keinerlei Probleme bei der Anwendung haben.

Kostenvergleichsrechnung FormelWer sich mit den anderen Verfahren der statischen Investitionsrechnung auskennt, wird erkennen, dass die Berechnung bei der Kostenvergleichsrechnung und Gewinnvergleichsrechnung fast identisch sind. Bei letzterer werden ebenfalls alle zurechenbaren, pagatorischen Kosten aufgelistet und anschließend mit dem Umsatz verrechnet, um den Gewinn zu erhalten. Die Kostenvergleichsrechnung spart sich den letzten Schritt und ist so betrachtet noch einfacher.

Mit der einfachen Anwendbarkeit gehen allerdings die typischen Schwächen der Verfahren statischer Investitionsrechnung einher. Da keine Zeitkomponente betrachtet wird und Ergänzungsinvestitionen außer Acht gelassen werden, eignet sich die Kostenvergleichsrechnung normalerweise nur für Investitionen von geringem Umfang oder geringer Laufzeit.

In der Praxis wird dies auch so gehandhabt. Ist eine Kostenvergleichsrechnung nicht ausreichend, müssen darüber hinaus Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung genutzt werden.

Beispiele

Abschließend haben wir noch ein Beispiel vorbereitet, mit dem ihr euer Verständnis überprüfen könnt.


Beispiel 1:

Kostenvergleichsrechnung BeispielDie Schränke GmbH möchte sich eine neue Maschine für eine schnellere Leistungserstellung kaufen. Hierfür stehen zwei Optionen zur Auswahl, die beide eine Nutzungsdauer von 6 Jahren Da das Unternehmen über keine liquiden Mittel verfügt, muss die ausgewählte Maschine vollkommen durch einen Kredit zu einem jährlichen Zinssatz von 4 % finanziert werden. Die Maschinen werden linear über die Nutzungsdauer abgeschrieben.

  • Maschine 1
    • Kaufpreis = 500.000 €
    • Kosten für Montage = 40.000 €
    • Monatliche Personalkosten = 3.000 €
    • Monatliche Betriebskosten (Öl, Schmierstoff etc.) = 2.000 €
  • Maschine 2
    • Kaufpreis = 700.000 €
    • Kosten für Montage = 25.000 €
    • Monatliche Personalkosten = 1.500 €
    • Monatliche Betriebskosten (Öl, Schmierstoff etc.) = 900 €

Für welche Maschine sollte sich die Schränke GmbH gemäß der Kostenvergleichsrechnung entscheiden? 

Mithilfe der gegebenen Informationen und Werten lässt sich folgende Tabelle erstellen.

 Maschine 1Maschine 2
Abschreibungen500.000 / 6 = 83.333 €700.000 / 6 = 116.667 €
Montagekosten40.000 €25.000 €
Personalkosten3.000 * 12 = 36.000 €1.500 * 12 = 18.000 €
Betriebskosten2.000 * 12 = 24.000 €900 * 12 = 10.800 €
Zinszahlungen500.000 * 0,04 = 20.000 €700.000 * 0,04 = 28.000 €
= Kosten pro Jahr203.333 €198.467 €

Wie wir sehen sind die jährlichen Kosten bei Maschine 2 geringer. Gemäß der Kostenvergleichsrechnung sollten wir uns also für diese entscheiden.

Noch Fragen? Schreibe einen Kommentar!

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Kommentar abschicken